Die schönsten Filme, die ich kenne (65): „Das Dorf der Verdammten“

Während der Physiker Gordon Zellaby in seinem Büro im südenglischen Midwich Village mit seinem Schwager Alan Bernard im Kriegsministerium telefoniert, sinkt er plötzlich bewusstlos zu Boden. Da Bernard auch niemand anderen dort telefonisch erreichen kann, sieht er vor Ort nach dem Rechten. Ganz Midwich befindet sich in einer Art Tiefschlaf, von dem weiterhin jeder befallen wird, der dem Gebiet zu nahe kommt. Nach knapp vier Stunden endet das mysteriöse Phänomen so plötzlich wie es begonnen hat, und allen scheint es wieder gut zu gehen. Einige Wochen später stellt sich heraus, dass die gebärfähigen Frauen des Dorfes ein Kind erwarten, auch eine Frau, deren Mann das letzte Jahr auf See verbracht hat, eine unberührte 17jährige – und Mrs. Zellaby.
Sechs Knaben und sechs Mädchen kommen zur Welt, die einander mit ihren weißblonden Haaren wie Geschwister gleichen. Sie entwickeln sich beunruhigend schnell. Im Alter von drei Jahren verfügen die Kinder bereits über den Verstand von 25jährigen, ihren Eltern begegnen sie mit Kälte und Verachtung.
Bald sehen sich die Bürger von Midwich einer verschworenen Gemeinschaft mit übernatürlichen Fähigkeiten gegenüber, deren Hirne miteinander vernetzt sind. Es kommt zu Todesfällen unter jenen, von denen sich die eisig dreinblickenden Intelligenzbestien bedroht fühlen. Dr. Zellaby beschließt, gegen seinen eigenen Sohn David und die anderen „Midwich Cuckoos“ (so der herrliche Titel der Romanvorlage) vorzugehen, die offensichtlich die Vorhut einer Invasion bilden. Das ist nicht leicht, denn selbstverständlich können die Kleinen auch Gedanken lesen …

Das britische Kino der 50er und 60er Jahre profitierte von den Flüchtlingen aus Hollywood, die die amerikanische Kommunisten-Paranoia ins englischsprachige Ausland spülte. Die englischen Filme jener Zeit wirken – obwohl sie bis Ende der 60er vielfach noch in Schwarzweiß gedreht wurden – viel moderner als die zeitgenössischen Produkte aus den USA, sind oft innovativ und wagemutig. Etwas davon färbte auch auf diesen preiswerten Genre-Film (inszeniert vom Deutschen Wolf Rilla) ab. „Village Of The Damned“ lässt den Sci-Fi-Horror über eine ganz normale ländliche Gemeinde hereinbrechen, ihre gesellschaftlichen Probleme werden packend vermittelt: die familiären Konflikte wegen unerklärlicher Schwangerschaften, das Misstrauen der Leute gegen die finstere Kinderbande, die Nacht, in der sich die gleichzeitig werdenden Väter im Pub versammeln – vereint in ahnungsvoller Abscheu … Dabei sieht der Schauplatz der Geschichte dem idyllischen Örtchen Milchester zum Verwechseln ähnlich, in dem Miss Marple ein Jahr darauf ihren ersten Fall lösen sollte.
Wie viele andere Klassiker des phantastischen Films erregte auch dieser ein technisch auftrumpfendes, aber vollkommen überflüssiges Remake gleichen Titels. Es wurde für die „Goldene Himbeere“ nominiert.

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