Angebote an den Volksmund (15)

Intervalldarwinist
= an sich friedliebender Mensch, der gleichwohl zu außerordentlicher Ablehnung einzelner gesellschaftlicher Gruppen fähig ist, wobei er sich weniger an Ethnie oder Religion stört, sondern eher an der persönlichen Haltung (Alkoholismus – besonders in der Öffentlichkeit, fehlende Disziplin, fehlende Selbstachtung, Unzuverlässigkeit, Demokratiedefizite …). Er betrachtet die Existenz ihm ungelegen kommender Individuen als einen unabänderlichen Aspekt menschlichen Zusammenlebens, als Teil des Lebensrisikos. Der einzige Ausweg bestünde in Rückzug und Einsiedelei, was für ihn nicht in Frage kommt. Sein gelegentlicher Wunsch, die betreffenden Mitmenschen könnten sich auflösen, „einfach tot umfallen“ o. ä. führt weder zu persönlichem Engagement (als Agitation oder als Aktion) noch zu dem Wunsch, jemand anderes würde in diesem Sinne tätig werden. Der Intervalldarwinist misstraut jedem Versuch oder Versprechen, einzelne Bevölkerungsgruppen aussondern oder „unschädlich machen“ zu wollen. Was immer ihn in diesem Zusammenhang quält, er erträgt es wie ein Soldat und in aller Stille.

Intervallrassist
= Im Gegensatz zum Rassisten ist er dem Gegenstand seiner Ablehnung gegenüber untätig und begnügt sich mit gelegentlicher Sprücheklopferei. Undemokratischen Strömungen, die seine Vorbehalte teilen, steht er aufgeschlossen aber leidenschaftslos gegenüber. Er selbst ist politisch nicht aktiv (aus Gründen der Bequemlichkeit sowie aus der mangelnden Bereitschaft, sich anderen gegenüber festzulegen), neigt aber anders als der →Intervalldarwinist nicht zur Selbsthinterfragung.

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