Die wiedergefundene Textstelle: Mathesons böser Knopf

betr.: „The Box“ um 1.00 Uhr auf SAT.1

Das Päckchen lag auf der Türschwelle: ein würfelförmiger Karton, der mit normalem Klebeband verschlossen war und auf dem in Großbuchstaben ihre Adresse von Hand geschrieben stand: MR. UND MRS. ARTHUR LEWIS; 217 E, 27. STRAßE, NEW YORK. Norma hob es auf, öffnete die Tür und trat ein. Die Nacht brach an.
Als sie die Lammkoteletts angebraten hatte, mixte sie sich einen Wodka-Martini und setzte sich, um das Päckchen zu öffnen.
Sie fand einen Schaltknopf, der auf einer kleinen Sperrholzschachtel befestigt war. Eine Glaskugel schützte den Schalter. Norma versuchte, sie hochzuheben, aber sie war solide befestigt. Sie drehte die Schachtel um und sah einen zusammengefalteten Zettel, der mit Tesafilm auf dem Boden der Schachtel befestigt war. Sie las folgendes: „Mr. Steward wird sich heute abend um zwanzig Uhr bei Ihnen einfinden.“

Mit diesen Worten beginnt die Erzählung „Button, Button“ (1970) von Richard Matheson. Sie entwickelt eine augenblickliche Sogwirkung, sie wurde mehrfach verfilmt, erschien m. W. aber niemals auf Deutsch. All das ist typisch für diesen Schriftsteller.
Abgesehen von wenigen verschimmelten Taschenbüchern aus der Wirtschaftswunder-Zeit steht Matheson dem hiesigen Leser nicht zur Verfügung. Das ist auch unter kommerziellen Gesichtspunkten barer Unfug, ist doch dieser Autor seit den seligen Zeiten der „Twilight Zone“* vor fast 60 Jahren durchgehend ein Liebling Hollywoods und des Fernsehens, der Vorlagengeber vieler sog. „Blockbuster“ unserer Tage und Gegenstand zahlreicher Parodien**. Doch haben wir allen Grund, froh und munter zu sein: Mathesons baldige Entdeckung durch den Buchmarkt  ist abzusehen (nachdem dies Ray Bradbury und Philip K. Dick schon widerfahren ist).

Heute nacht um eins können wir uns „Button, Button“ auf SAT.1 in einer Filmversion von 2009 anschauen. Dummerweise wird die Pointe schon in der 35. Minute geliefert (nach etwas mehr als einem Viertel der Laufzeit) und gleich darauf auch noch erklärt!!! Die kurze Umsetzung für die erste Wiederauflage der TV-Serie „The Twilight Zone“ (1985) ist eleganter. Apropos Bearbeitungen: Henry Slesar hatte die Matheson-Vorlage sehr aufmerksam gelesen, als er die fürs deutsche Fernsehen verfilmte Kurzgeschichte „Knopfdruck für einen Chinesen“ schrieb.

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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2017/09/14/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-45-ferngespraech-fuer-miss-keene/
** Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2014/11/20/bart-simpsons-siamesischer-zwilling/

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