Die wiedergefundene Textstelle: „Romanoff und Julia“, Regieanweisung Erster Akt

betr.: 57. Jahrestag der Film-Premiere von „Romanoff And Juliet“

Das Multitalent Peter Ustinov wäre gern zuerst als Autor wahrgenommen worden, am allerliebsten als Dramatiker. Er hat eine ganze Reihe von Theatertücken verfasst, die auch mit einigem Erfolg gespielt wurden – besonders hierzulande, wo sie von seiner ungeheuren Popularität profitierten. Und doch kennen heute – 14 Jahre nach seinem Tode – die wenigsten seiner Fans irgendeines dieser Werke.
1956 schrieb der unverdrossene Pazifist die Kalter-Krieg-Satire „Romanoff und Julia“, die er 1961 auch verfilmte. Der Inhalt wird auf der Seite des Theaterverlags „Felix Bloch Erben“ so erzählt:

Der General und Präsident des kleinsten Landes Europas versucht, eine Tragödie zu verhindern. Denn der Sohn des bei ihm akkreditierten russischen Botschafters, Igor Romanoff, und die Tochter des amerikanischen Botschafters, Julia Moulsworth, haben ihre Liebe zueinander entdeckt. Da gilt es, bei den unüberwindlichen ideologischen Gegensätzen zwischen den Eltern und der weitläufigen Verwandtschaft das größte Unglück abzuwenden. Mit allen Mitteln. Mit bescheidenen Mitteln. Mit kleinen Freundlichkeiten, denen sich die Betroffenen nicht entziehen können. Denn in dem kleinen Land besitzt die Atmosphäre etwas Eigenartiges und angenehm Zersetzendes.

Wir wollen uns heute die Regieanweisung des ersten Aktes nochmals durchlesen:

Morgendämmerung.
Der größte Platz in der Hauptstadt des kleinsten europäischen Landes.
In der Dämmerung des frühen Morgens.
Links ein Gebäude von düsterer Schönheit, mit einem Balkon, rechts ein ähnliches Gebäude, ebenfalls mit Balkon.
Im Hintergrund eine Kathedrale, die ein Musterstück ihrer Art sein darf, mit einer erleuchteten großen Turmuhr, die eine Reihe von nicht übertrieben standhaften Heiligen und eine gewisse Anzahl sonstiger allegorischer Figuren, wie etwa Vater Zeit und den erntefreudigen Tod, aus kleinen Portalen heraustreten lässt, damit sie die jeweilige Stunde aus dem unbarmherzigen Lauf der Zeiten heraushämmern.
Der Himmel über diesem Schauplatz ist eine jener kostspieligen Angelegenheiten, deren kristallene Klarheit die vielgerühmte Vorstellung eines südlichen Himmels vermittelt.

(Zwei Soldaten halten Wache – und vertreiben sich die Zeit mit einem Spiel: Wörterraten. Die beiden Gebäude sind jeweils die amerikanische und die russische Botschaft und natürlich handelt es sich bei den zeitgenössischen Capulets und Montagues um die beiden Großmächte: Julia hat sich in Igor verliebt …)

Der Film war kein Erfolg, und er enthält etwas, was die Ustinov-Biografen heute als einen Versuch betrachten, die kriselnde Ehe mit seiner zweiten Frau Suzanne Cloutier zu kitten. Ihre Schauspielkarriere ruhte, und so bekam sie eine kleine Rolle in „Romanoff und Julia“. Doch der Karriereschub blieb aus, und es folgten bald ein zermürbender Ehekrieg und eine Scheidung. Beruflich war Ustinov ansonsten in jenen Tagen ganz oben.

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