Ein ehrenvoller dritter Platz

betr.: 125. Geburtstag von Dorothy L. Sayers

Lord Peter Wimsey belegt unter den Krimihelden aus britischen Landen den dritten Platz hinter Sherlock Holmes und Hercule Poirot, so wie es seine Erfinderin Dorothy L. Sayers unter den britschen Krimiautoren tut.

Die Abenteuer von Lord Peter Wimsey sind mir zuerst in Form einer typischen britischen Krimiserie der 70er Jahre begegnet. Der immer etwas feist dreinblickende Ian Carmichael (der heute gern auf deutschen Wimsey-Hörbuch- und Hörspiel-CDs abgebildet ist) ermittelte in muffigen Studiodekorationen, in denen man stets nur die sprichwörtlichen „Bilder von sprechenden Menschen“ sah. Möglicherweise könnte ich heute über die Unwuchten der Verabreichung hinwegsehen, damals mochte ich von dieser Serie nur die Titelmusik.

Meine Wiederbegegnung mit dem Krimihelden Lord Peter in einer MDR-Hörspielreihe gut 40 Jahre später verlief weitaus erfreulicher, obwohl auch die kein reines Vergnügen war. Die Nebendarsteller schienen keinerlei Regieanweisungen erhalten zu haben, so zufällig und wechselvoll war die Qualität ihres Spiels. Umso prachtvoller waren die beiden Hauptrollen besetzt. Der gewohnt fleckenlos agierende Peter Fricke verkörperte Lord Peter, und als Erzählerin fungierte Dagmar von Thomas, deren Stimme sich mit Worten kaum beschreiben lässt. Eine Hörspielbearbeitung im eigentlichen Sinne war das nicht, es wurde lediglich mit verteilten Rollen gelesen, doch das hatte angesichts der erzählerischen Qualitäten der Vorlage sogar seinen Reiz.
Die Hörspielreihe wird als Wohlfühlkrimi beworben – und tut der Autorin damit unrecht. Hin und wieder blitzt einige Abgründigkeit in den Geschichten auf; „Die Macht der Finsternis“ ist sogar ein außerordentlich fieser Fall. Was hätte wohl Miss Marple zu der hier geschilderten Misshandlung gesagt, die ja schon das Erstechen mit einer Hutnadel als „außergewöhnlich abscheulichen Mord“ bezeichnete?

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