Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Komponist Bernard Herrmann (1)

betr.: 117. Geburtstag von Bernard Herrmann

Während der ur-amerikanische Sound von den Nachkommen der schwarzen Sklaven entwickelt wurde, zählten die komponierenden Gründerväter der amerikanischen Musik zur Gruppe der russisch-jüdischen Einwanderer, die das US-Musikleben seit 1900 vorrangig geprägt hat. Diese Musiker lieferten das zeitgenössische Repertoire für den Konzertsaal (Aaron Copland, Leonard Bernstein …) ebenso wie für den Broadway (George Gershwin, Irving Berlin, wiederum Leonard Bernstein u.v.a.m.) und ab 1930 auch den Sound von Hollywood. Einer dieser Herren hatte die Ehre für jene beiden Filme die Musik zu schreiben, die sich in der berühmten Liste der „besten Filme aller Zeiten“ auf dem 1. Platz abgewechselt haben: Bernard Herrmann.

Bernard Herrmann, der heute vor 117 Jahren in New York zur Welt kam, sollte einer der vielseitigsten Komponisten des jungen Mediums Film werden und wurde wegen seiner besonders kühnen Umgestaltungen des spätromantischen Idioms von vielen seiner jüngeren Kollegen als wichtigster Stilist der klassischen Filmmusik verehrt. Für die Fans tun sich zwei besonders griffige Schubladen auf: die des phantastischen Films – selbst seine romantischen Partituren deuten in entlegene Sphären und tiefe Abgründe – und natürlich die des Hitchcock-Hauskomponisten, der Herrmann in zehn besonders wichtigen Jahren gewesen ist.

Bernard Herrmann übte sich früh im Geigenspiel, ohne es dort zu wirklicher Meisterschaft zu bringen. Seine erste Ehefrau hat später eine von ihm selbst überlieferte Anekdote wiedergegeben: „Mit acht musste er Geigenunterricht nehmen – wie es alle Söhne guter jüdischer Väter tun mussten, wenn sie ein gewisses Talent erkennen ließen. Der Lehrer ließ ihn ‚Frühlingserwachen‘ spielen. Als ihm der Vortrag zu esoterisch geriet, stritten sich die beiden, und Bennie zertrümmerte seine Geige auf dem Kopf des Lehrers.“
Als 13jähriger gewann Herrmann 100 Dollar bei einem Kompositionswettbewerb seiner High School, woraufhin ihm sein Vater, ein reisender Augenarzt und Optiker, ein Musikstudium finanzierte.
Herrmann studierte zunächst bei Philip James und Percy Aldridge in New York, dann noch zwei Jahre Komposition und Dirigieren an der „Juilliard Graduate School“ bei Albert Stoessel und Bernd Wagenaar. Kaum 20 Jahre alt stand er als Dirigent dem „New Chamber Orchestra“ vor, das er mit anderen Juilliard-Absolventen geformt hatte. Er kümmerte sich besonders um moderne amerikanische Musik und konnte Freundschaft mit Kollegen wie Henry Cowell (dem Erfinder der Toncluster) schließen. Seine Bekanntschaft mit Copland führte 1932 zur Gründung der New Yorker „Young Composers‘ Group“. Zu dieser informellen Gruppe gesellten sich bald Henry Dreyfus Brant (der später die Arbeiten des Filmkomponisten Alex North orchestrieren sollte), Israel Citkowitz (ein Lehrer von Elmer Bernstein) und Jerome Moross. (Als Herrmann 1963 gebeten wurde, die Musik für den Film „The Cardinal“ zu schreiben, wies er dieses Projekt als unter seiner Würde zurück und meinte mit sowas könne man zu Jerome Moross gehen. Moross bekam den Job …)
Alle Mitglieder dieser Gruppe verehrten den damaligen Außenseiter Charles Ives, für den sich besonders Herrmann in den folgenden Jahren starkmachte. Seine ersten größeren Kompositionen sind noch stark von diesem Vorbild geprägt, so die Orchestervariationen der Spirituals „Water Boy“ und „Deep River“.
Bedeutsamer für seinen Werdegang wurde jedoch der Weg in die Studios der CBS, die den knapp 22jährigen unter Vertrag nahm, um ihre Bildungssendungen und Hörspiele zu betreuen. Als Komponist und Dirigent leitete Benard Herrmann Tausende von Radiofeatures u.a. des CBS-„Workshop“. Sie boten ihm ein Laboratorium, in dem er seine Fähigkeiten als Musikdramatiker entwickeln konnte.
1934 wurde Herrmann außerdem zu einem der Leiter des CBS-Sinfonieorchesters, welchem er von 1940 (die Zeit seines Weggangs nach Hollywood) bis zur Auflösung des Klangkörpers 1955  als Chefdirigent diente. Unter dem Motto „Everybody’s Music“ dirigierte er nun Live-Konzerte, die dem Publikum Klassik, Raritäten und populäre Werke in die Wohnstuben brachten.
Forts. folgt

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