Wie es euch gefällt

betr.: 100. Geburtstag von Artur Brauner

Der Filmproduzent Atze Brauner verdient unsere Hochachtung – schon weil er es rein rechnerisch auf zwei Filme pro Jahr gebracht mit vielen davon Geld verdient hat (- andere Zählungen sprechen von drei). Da dies ausgerechnet in der Bundesrepublik Deutschland geschah, musste die Qualität dieser Produkte etwas bescheidener ausfallen, aber immerhin hat Brauner solchen Unsinn wie die Edgar-Wallace-Filme oder die Winnetou-Reihe nicht erfunden, sondern nur weitererzählt. Dem in die Heimat zurückgelockten Fritz Lang etwa trotzte er zwei quietschbunte Abenteuerklamotten ab, die so provinziell sind, als hätte es weder Hollywood (wo Lang zuvor im Film Noir gewirkt hatte) noch den deutschen Stummfilm (dem er mit „Metropolis“ einen Welterfolg bescherte) je gegeben.
Doch es ist ja nicht so, dass Artur Brauner es nicht auch anders versucht hätte. Sein zweites Werk „Morituri“ – nicht zu verwechseln mit Bernhard Wickis etwas später entstandenem Hollywoodfilm gleichen Titels – war ein früher, ein allzufrüher Versuch gewesen, die Deutschen mit Ihrer Schuld zu konfrontieren, der ihm (wie auch den wenigen anderen Filmemachern, die das beizeiten versuchten) nicht gut bekommen ist.
So gab Brauner dem Nachkriegspublikum, was es von ihm haben wollte: Arztfilme, Heimatschnulzen, Softpornos und Gruselkrimis.
Dazwischen hat er immer wieder ambitionierte Filme mit zeitgeschichtlichem Kolorit realisiert – oder geplant. Vor zehn Jahren bereitete Brauner einen Film mit dem Titel „Der Chinese“ vor, der 1941/42 im Lodzer Getto spielen sollte. Ein Großteil der Bevölkerung überlebte das Terrorregime, weil er für die Wehrmacht gearbeitet hat, Schuhe, Uniformen und anderes Unverzichtbare herstellte. Als Artur Brauner zu seinem 90. Von der „taz“ interviewt wurde, erzählte er eine Geschichte, die ihm erst bei den Recherchen zu „Der Chinese“ von Zeitzeugen berichtet wurde: „Ich habe festgestellt, dass im August ’44 ein Befehl kam, auf die Arbeit der Menschen im Getto zu verzichten. Dann sind knapp 100.000 Einwohner deportiert worden. Aber weder nach Treblinka noch nach Majdanek, wie das sonst der Fall war. Das ist das Schrecklichste, was ich je gehört habe, ich träume jede Nacht davon: Von unserem Haus führt der Weg nach Radegast, auf Polnisch Radogoszcz, und ungefähr vier Kilometer von unserer Wohnung entfernt wurde ein Sammelpunkt eingerichtet. Sukzessive wurden Leute aus dem Getto ausgesondert. Dort sind sie in Lastwagen eingestiegen. Sie fuhren nach Chelmno, das ungefähr 80, 100 Kilometer von Lodz entfernt liegt. (…) von diesen Hunderttausend aus Lodz hat sich kein Mensch gerettet. Sie sind auf dem Weg nach Chelmno vergast worden, das war billig, es kostete nur das Benzin. (…) Nur vier Kilometer von unserem Haus, da war der Tod.“

Als Freund klarer Ansagen ist mir ein Ausspruch von Artur Brauner in besonderer Erinnerung geblieben: „Wenn ein Film floppt, ist immer der Produzent schuld! Immer!“

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