Die schönsten Filme, die ich kenne (72): „Familiengrab“

„Familiengrab“ erzählt die Geschichte zweier Gangsterpärchen, die sich aufeinander zubewegen, um im Finale aufeinanderzutreffen – was nur eines der beiden überstehen wird. Das niedriger budgetierte Paar besteht aus einer betrügerischen Spiritistin, deren Liebhaber mit Recherche leisten muss, was ihr an hellseherischer Bestrahlung abgeht. (Strenggenommen ist das gar kein Betrug, denn der Bursche arbeitet sehr gründlich, und seine Ergebnisse haben den Vorzug, keinen esoterischen Schnickschnack zu enthalten.) Das andere Duo gehört zur feineren Gesellschaft, will es aber noch besser haben und möbelt seine Haushaltskasse mit Entführungen wichtiger Persönlichkeiten auf.
Einmal abgesehen von dessen offiziellen „Meisterwerken“ will ich keinen Hitchcock-Film so oft, gern und regelmäßig wiedersehen wie „Familiengrab“. Und das sowohl mit dem Kopf als auch mit dem Herzen. Obwohl von einem alten Mann mit angegriffener Gesundheit am Ende einer langen Karriere realisiert, ist „Family Plot“ in Konzeption und Umsetzung frei von Ermüdungserscheinungen und Nachlässigkeiten.

Mit ihren angeblichen übernatürlichen Fähigkeiten nimmt die Spiritistin Blanche Tyler gutgläubige Hinterbliebene aus. Ihr Komplize ist der Taxifahrer und arbeitslose Schauspieler George Lumley. Falls es den beiden gelingt, einen verstoßenen Angehörigen aufzuspüren, winken ihnen 10.000 Dollar. Auf der Suche nach ihm stoßen Blanche und George auf den Juwelier Adamson. Doch der ist in überaus dunkle Machenschaften verwickelt und hat von der guten Nachricht, ein Millionenerbe zu sein, keine Ahnung. Also beschließt er, das schnüffelnde Pärchen zu beseitigen …

Das von Ernest Lehman verfasste Drehbuch strotzt von jenem federleichten Slapstick, der sich schon in dessen früherer Arbeit „Der unsichtbare Dritte“ so gut mit einer soliden Krimi-Handlung vertrug.
Der höfliche William Devane bleckt die Zähne seiner kultivierten Verbrechervisage, dass einem Angst und bange wird, und das Comedy-Duo Barbara Harris / Bruce Dern hätte man gern in einer weiteren Geschichte wiedergesehen. Es hat nicht sollen sein. Von Hitchcocks nächsten Projekt „The Short Night“ wurde nur noch das Drehbuch fertiggestellt.

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