Am besten nichts Neues

betr.: „Nobody’s Perfect – Eine Lange Nacht über Billy Wilder“, zuletzt im Deutschlandfunk und auf Deutschlandfunk Kultur

Die „Lange Nacht“ im Deutschlandfunk bringt fast viermal im Monat das Kunststück fertig, ein x-beliebiges Thema so zu präsentieren (bzw. zu verfietschern), das man – zufällig hineingeratend – davon absorbiert wird und sich nicht mehr losreißen kann. Leider kommt es doch mal vor, dass ich sie nicht aufzeichne – und mich zuweilen ärgere. Unvergessen mein verspätetes zufälliges Einschalten in eine „Lange Nacht“ zum Thema „Könige der Landstraße“ oder so ähnlich. Die hier dargebotenen Schnurren zum Trucker-Country, dem Fernfahrer im Wandel der Jahrhunderte und zu den Innenansichten der 70er Jahre-Schlagerbranche (was mich alles nicht sonderlich interessiert) waren so packend, die Zeitzeugen so unwiderstehlich, das Kolorit der Bonner Republik, ihrer Popkultur und ihres Medienverhaltens so sehr Teil meiner eigenen Biographie, dass ich  dachte: hättste doch! So schön ist es in dieser Reihe meistens. Aber nicht immer.

Die von mir fröhlich erwartete Sendung „Nobody’s Perfect – Eine Lange Nacht über Billy Wilder“ hinterließ mich seltsam matt. Nachsichtig ausgedrückt hatte ich hier wohl das Problem, als langjähriger Wilder-Fan etwas zu gut bescheid zu wissen – aber das hat mich in ähnlich gelagerten anderen Fällen auch nie gestört.
Die erste Stunde war recht hörenswert. Sie stellte mit den Berliner Jahren des Regisseurs als Journalist und Eintänzer ein Thema in den Vordergrund, zu dem noch nicht alles tausendmal gesagt und durchgekaut wurde. Doch danach erlebten wir die erneute Wiederholung der immergleichen die-Monroe-konnte-ganz-schön-nerven-Anekdoten und die Aufzählung der anerkannten Meisterleistungen, eingepackt in einige offenbar ungeschnittene Gespräche mit berufsmäßigen Wilder-Fans, die ausgiebig laut und behäbig nachdachten. Nur soviel: Claudius Seidl, dessen Arbeit für das Feuilleton ich sehr bewundere, kommt in schriftlicher Form weitaus besser auf den Punkt.

Wilders Werk ab 1964 wurde wie stets völlig ignoriert – ganz im Sinne früherer Wilder-Interviewer, von denen es viele O-Töne in die Sendung geschafft haben. Meine Hoffnung, wenigstens eine der drei Stunden möge sich ungehobenen Schätzen wie dem „Privatleben des Sherlock Holmes“* und seiner exemplarisch-tragischen Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte widmen, wurde enttäuscht. Über die Wechselwirkungen von Billy Wilders Filmen mit anderen Sparten der Popkultur – wie dem Musical – ist soweit ich weiß noch gar nicht gesprochen worden …
Allzuviel Arbeit durfte dieses Feature wohl nicht machen. Wie war doch gleich der Titel der Sendung ..?
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2017/01/25/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-12-das-privatleben-des-sherlock-holmes/

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