Die schönsten Hörspiele, die ich kenne (4): „Der Zauberberg“

„Der Zauberberg“ – nach dem Roman von Thomas Mann, Funkbearbeitung: Valerie Stiegele, Komposition: Michael Riessler, Regie: Ulrich Lampen – Produktion: BR 2000 / DerHörVerlag 2007 – 516 Minuten (10 DCs)
Weitere Infos und Besetzung unter https://www.deutschlandfunk.de/hoerspiel-hoerspiel-des-monats.688.de.html?dram:article_id=43565

Wir sind im Begriffe, es zu erzählen – erfüllt von den geheimen Reizen des Gegenstandes und aufrichtig begierig, sie mitzuteilen.

Kurz nach der Jahrhundertwende will der junge Hans Castorp seinen lungenkranken Vetter im Schweizerischen Sanatorium besuchen. Er beabsichtigt, drei Wochen zu bleiben, doch er lebt sich prächtig ein und wird praktischerweise selbst zum Behandlungsfall. Fasziniert von der morbiden Stimmung dieses abgelegenen Ortes bleibt Castorp sieben Jahre lang im Reich der Zeitentrückten, umgeben von todkranken Aufklärern, Hedonisten, Hypochondern und einer russischen Schönheit. Er verlässt es nur noch, um sich auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs zu verlieren.

Zu den mannigfachen Erkenntnissen, die im Deutschunterricht von mir ferngehalten wurden, gehört auch die, dass es sich bei Thomas Mann um einen Humoristen handelt. Sehr viel später erhielt ich entsprechende Hinweise von zwei prominenten Verehrern des Autors: Marcel Reich-Ranicki und Loriot, der den Dichterfürsten sogar vor der Kamera verkörpert hat. Gewissheit brachte mir das Hörspiel „Der Zauberberg“, eine Mammutproduktion aus der Zeit des großen deutschen Hörbuch-Booms in den Nullerjahren.
Von der größten Rolle (Erzähler: Udo Samel) bis zur kleinsten (Kapitel-Ansager: Horst Sachtleben) ist der Zuhörer in den besten Händen. Wie schon in der literarischen Vorlage geschieht achteinhalb Stunden lang praktisch nichts – abgesehen von der Einweihung des Grammophons, die als „Fülle des Wohllauts“ in die Literaturgeschichte eingegangen ist. Gleichwohl gefesselt schmunzelt man vor sich hin. (Wer laut über Thomas Mann lachen will, dem sei Loriots Lesung aus „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ und „Das Eisenbahnunglück“ empfohlen.)

Zu Weihnachten und zwischen den Jahren wird ebendieser „Zauberberg“ auf Bayern2 ausgestrahlt, dem letzten großen Hörspiel-Bollwerk in der Familie der ARD-Anstalten.

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