Wenn Worte flügge werden

Bereits im Stummfilm finden sich köstliche Zitate, die einer Aufnahme in den Volksmund würdig wären. Ich will nur an das Schlusswort zu „Easy Virtue“ von 1927 erinnern, der auf einem Bühnenstück von Noël Coward basiert. Einer bei einem Prozess gescheiterten jungen Frau lauert vor dem Gerichtsgebäude eine Paparazzimeute auf. Sie ergibt sich und ruft: „Shoot me – there’s nothing left to kill!“
Bereits im wenig später gestarteten ersten Tonfilm gibt es eine tatsächlich geflügelte Zeile: „You ain’t heard nothing yet!“ – und so sollte es weitergehen.*
In den letzten Jahren ist der Film auch als Pate großer Worte aus anderen Medien in Erscheinung getreten.
Das fiel mir kürzlich wieder auf, als ich diesen Satz aus dem Werk von Arthur Conan Doyle auf einem Reklame-Display in der Bahn lesen musste: „Man muss erst einmal das Unmögliche abgrenzen. In dem, was dann noch da ist – und sei es noch so unwahrscheinlich –, muss die Wahrheit stecken.“

Obwohl die Abenteuer von Sherlock Holmes regelmäßig im Film zu sehen sind, war es – ich schwör’s! – erst der greise Mr. Spock, der diese Holmes-Zeile zu ihrer heutigen Prominenz geführt hat. Er zitiert sie in „Star Trek VI“**, und seither ist sie nicht nur in der Welt, sondern in Umlauf. Ein anderes literarisches Kleinod, eine Kalender-Weisheit aus dem „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry, ist parallel dazu immer rarer geworden. Sie lautet: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für Augen unsichtbar.“ Ich freue mich sehr, dass sich diese unbelegte Behauptung – auch in den sozialen Netzwerken – auf dem Rückzug befindet. Ihre altkluge Autorität ist unsexy, und ihre praktische Anwendbarkeit kann es mit dem Hinweis „Heb die Füße hoch!“ aufnehmen, den meine Mutter gern auszurufen pflegte, nachdem ich auf der Nase lag.

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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2014/10/05/goldene-worte/

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