Ernst Meibeck und seine Projekte

betr.: 23. Todestag von Ernst Meibeck

Der Hamburger Sänger, Entertainer und Bürgerrechtler Ernst Meibeck gehört wegen seiner Lebensdaten und dem Verfehlen medialen Ruhmes zu jenen Künstlern, die in den McLuhan-Graben rutschen, diese noch immer wachsende Kluft, die sich am Übergang vom analogen ins digitale Medienzeitalter auftut. Er ist im Internet praktisch nicht auffindbar.
Als Echo auf die an dieser Stelle präsentierten Chansons von Ernst Meibeck erreichte mich über Erwin Spinger aus Schottland diese Erinnerung von Kirsty Butts, die auf Englisch verfasst worden ist und deren Übersetzung ich noch einmal behutsam überarbeitet habe. Sie behandelt Ernst Meibecks Beteiligung an den kurzlebigen Hamburger Projekten „Musik liegt in der Luft e.V.“ und „Honeymoon Sicks“.

Ernst hatte einen sehr aufmüpfigen Humor, und uns beide verband eine Liebe zur Klamotte. Bei unseren ersten Begegnungen, bei denen wir uns über die britische Klassengesellschaft lustig machten und das Königshaus parodierten, haben wir in nostalgischen Melodien geschwelgt, und ich habe Ernst am Piano begleitet. Diese Musik transportierte das damalige Lebensgefühl und zeigte uns, wie viel schräger und experimentierfreudiger unsere Denkweise im Vergleich zu den 80ern war, in denen wir nun lebten. Aus dem Spaß, den wir dabei hatten, erwuchs die Idee, die „Honeymoon Sicks“ zu gründen, eine Art 60er Jahre Highschool-Band. Sie bestand aus zwei Lead- und Rhythmusgitarristen, einem Bassgitarristen, einem Schlagzeuger, einer Lead- und Backing-Sängerin/Keyboarderin (ich selber) und einem Lead-Sänger (Ernst). Wir taten unser Bestes, die Moves und Harmonien der 60er Jahre hinzubekommen! Unsere Shows hatten etwas von Fanzine-Treffen, und die Fans kamen und tanzten die ganze Nacht hindurch.
In einer der Spielzenen – Ernst war in die Rolle meines Friseurs geschlüpft – setzte er unvergesslicherweise mit einem Mini-Feuerwerk meine Haare in Brand. Geistesgegenwärtig löschte er die Flammen, und wir spielten weiter, als sei nichts geschehen.
Ernst bezauberte das Publikum mit Liedern wie „Happy Together“ und brachte Parodien von Willy Brandt und anderen bekannten Persönlichkeiten. Ernst war nicht nur ein guter Sänger und Schauspieler, er war auch politisch scharfsinnig und hatte satirisches Talent.

Das nächste von Ernst mitgestaltete Musikprojekt „Musik liegt in der Luft e.V.“ präsentierte eine Reihe von Figuren, die zufällig in einer Bar an der Straßenecke zusammenkamen. Die vorgetragenen Schlager und Evergreens bildeten die Basis für die Dialoge, in den Songs offenbarten die Charaktere vieles, was sie sonst tunlichst zu verbergen suchten. Ernst brachte seinen ganzen Sinn für das Absurde in seine Kunstfigur ein.

Wie alle sensiblen Menschen war Ernst sowohl meinungsstark als auch verletzlich. Ich habe ihn als eine Person in Erinnerung, bei der auch ich verwundbar, ernsthaft und albern zugleich sein durfte.

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