Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Filmkomponist Bernard Herrmann (16)

Fortsetzung vom 13.10.2018

Wie bei Verfilmungen der berühmten Gesellschaftssatire von Jonathan Swift allgemein üblich, trat in der Schneer-Harryhausen-Version von „The Three Worlds Of Gulliver“ das Spektakel in den Vordergrund. Umso mehr betont die Musik inhaltlich und instrumentatorisch das Zeit- und Lokalkolorit. Bernard Herrmann nutzte neben eigenen Themen englische Hornpipes und Menuette aus dem 18. Jahrhundert. Die Bewohner von Lilliput werden mit Flöte, Harfe, Triangel, Schlittenglöckchen und helltönenden Streicherarrangements portraitiert – „Citizen Kane“ und die „Ambersons“ lassen grüßen. Dabei werden Eitelkeit und Kriegslust dieses Völkchens in einer Miniaturversion protzig-feierlicher Militärmusik auf die Schippe genommen, doch das Ergebnis ist ungemein charmant. Ein gutes Beispiel hierfür ist der liliputanische „King’s March“. Tiefe Bläser, Celli und Kontrabässe wiederum künden von Brobdingnag, dem Reich der Riesen. Man kann nur sehnsuchtsvolle Spekulationen darüber anstellen, was dem Komponisten zu den Welten eingefallen wäre, die in „Gulliver“-Verfilmungen zumeist ausgelassen werden: der Insel Laputa, den Königreichen Balnibarbi, Luggnagg und Glubbdubdrib oder der Republik der Houyhnhnms, wo intelligente Pferde über die Menschen herrschen.

Herrmann_Classic Fantasy Film ScoresDrei Welten sind nicht genug: CD mit vier Suiten aus Originalbändern von Fantasy-Soundtracks des Meisters (Cloud Nine Records, 1994)

„Mysterious Island“ (1961) und „Jason And The Argonauts“ (1963) bieten wieder klassische Fantasy-Action mit furchterregenden Harryhausen-Geschöpfen (Monsterbienen, -krebse und -küken im ersten, lebendige Bronzeriesen und griechische Fabelwesen im zweiten: Meeresgötter, Harpyen, die Hydra), an deren Wirkung die Musik großen Anteil hat – im weitesten Sinne.
Ray Harryhausen erzählte in einem Interview von einer Matinee für Kinder, bei der „Seventh Voyage Of Sinbad“ und „Jason“ gezeigt wurden. Während die Szene mit der Skelett-Armee in „Jason And The Argonauts“ allgemeine Heiterkeit ausgelöst habe, hätten sich die Kleinen bei Sindbads Duell mit dem Solo-Skelett wirklich gefürchtet. Wenn man sich die betreffenden Musiktracks noch einmal anhört, kann man das nachvollziehen. „Battle With The Skeletons“ könnte auch die Musik zu einem Zeichentrickfilm sein.

Forts. folgt

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