Die schönsten Filme, die ich kenne (81): „Zeiten des Aufruhrs“

Connecticut Mitte der 50er Jahre. April, die bei dem Versuch gescheitert ist, Schauspielerin zu werden, ist mit Frank Wheeler verheiratet. Wie sich das gehört, sind die beiden in die Vorstadt gezogen, um dort ihre beiden Kinder großzuziehen. Frank geht in der Stadt einem stupiden Bürojob nach und betrügt seine Frau von Zeit zu Zeit mit einer Schreibkraft.
Rein äußerlich sind die jungen Wheelers ein Traumpaar, doch die Perspektivlosigkeit ihres geordneten Kleinbürgerlebens setzt beiden zu. Eines Tages macht April ihrem Mann den Vorschlag, nach Paris auszuwandern, wo Frank seine Militärzeit verbracht hat. Sie würde als Sekretärin für die Regierung wohl genug verdienen, um die Familie zu ernähren. Frank könnte sich in Ruhe neu erfinden und für eine andere Arbeit entscheiden.
Nachbarn, Freunde und Kollegen sind fassungslos und auch ziemlich neidisch auf diesen tollkühnen Entschluss. „Du willst also raus?“ wird April gefragt. „Nein, eigentlich möchte ich rein … ins Leben“, gibt sie zur Antwort. Einzig der als verrückt geltende Sohn ihrer Maklerin bewundert die beiden für ihren Plan.
Um sich den Abgang aus seinem verhassten Job zu versüßen, schreibt Frank einen sarkastischen Brief an einen wichtigen Kunden, in dem er ein haarsträubendes Konzept ausbreitet. Zu seiner Überraschung ist der Kunde von der Idee begeistert und macht Frank ein verlockendes Angebot. Es fällt diesem umso schwerer, es abzulehnen, als sich bei April eine Schwangerschaft einstellt.
Über den Kopf seiner Frau hinweg, beschließt Frank, die Paris-Sache abzublasen und das Angebot anzunehmen. Damit setzt er eine tragische Entwicklung in Gang …

In den Nullerjahren entdeckten Film und Fernsehen in den USA eine Schriftstellergeneration wieder, die von der ausweglosen Tristesse des vermeintlich sorgenfreien Vorstadtlebens nach dem Zweiten Weltkrieg erzählte. Der Titel von Sloan Wilsons 1955 erschienenem Bestseller „The Man in the Gray Flannel Suit“ hatte das Schlagwort für diese Männer geliefert, die ihre Individualität der Konvention opferten. Matthew Weiner, Showrunner der nostalgisch-hippen Dramaserie „Mad Men“, berief sich auf John Cheever* als großes Vorbild, dessen Werk in dieser Zeit bei uns komplett neu veröffentlicht wurde. Regisseur Sam Mendes wiederum, der bereits mit dem Mittelklasse-Drama „American Beauty“ einen Sensationserfolg gelandet hatte, ließ sich von seiner Frau Kate Winslet für die Verfilmung eines Romans von Richard Yates begeistern: „Revolutionary Road“. Auch Leonardo DiCaprio, mit dem sie einst das Traumpaar Rose und Jack in „Titanic“ gebildet hatte, überredete sie zur Teilnahme.

Das Ergebnis lohnte die Mühen und entzückte die Kritik, konnte aber in der beginnenden Diktatur des Blockbuster-Kinos keinen Hund hinterm Ofen vorlocken.
In Nebenrollen glänzen Kathy Bates als geschwätzige Grundstücksmaklerin und Michael Shannon als ihr Sohn. Der erhielt für diese sinistere Darbietung seine erste Oscar-Nominierung.
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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2017/10/20/die-schoensten-filme-die-ich-kenne-48-der-schwimmer/.

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