Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Komponist Bernard Herrmann (18)

Forstsetzung vom 27.10.2018

1966 kam es zwischen Bernard Herrmann und Alfred Hitchcock zum Bruch: unvereinbar waren die Grundsätze des streitbaren Komponisten und eines Starregisseurs, der sich vom Filmstudio dazu drängen ließ, seinen Filmen eine moderne Musik zu verpassen: einen Easy-Listening-Soundtrack incl. gut vermarktbarem Titelsong.*
„Torn Curtain“ wurde von Herrmann fertiggestellt, aber er bekam dafür nur ein Ausfallhonorar, den er als Judaslohn betrachtete. Während für Hitchcock (der in dieser Zeit noch das Zerbrechen anderer Partnerschaften zu verkraften hatte) eine kommerziell enttäuschende Phase begann, ging Herrmann– von Hollywood insgesamt angeekelt und ohne annehmbare Aufträge – ins Londoner Exil. An diese Stelle passt sein oftmals verkündetes Motto: „Sparrows fly in flocks, but eagles fly alone!“ Die Mitgliedschaft in der Oscar-Academy hatte Herrmann ebenso abgelehnt wie den Einsatz von Orchestratoren.

Herrmann fühlte sich wohl in London, er bezeichnete es als seine zweite Heimat. Als erstes erfüllte er sich einen Traum und nahm auf eigene Kosten sein Lieblingswerk „Wuthering Heights“ komplett für die Schallplatte auf, einen Tonträger zu Werbezwecken.  Als offizielle Plattenaufnahmen entstanden die Filmmusik-Neueinspielungen für die DECCA, Themen und Suiten aus seinen wichtigsten Soundtracks.

Herrmann_DECCA-LP-BoxFranzösische LP-Box mit drei Londoner Herrmann-Anthologie-Alben. Das Cover-Motiv spielt auf die allzeit beliebteste Platte in dieser Sammlung an: „The Great Movie-Thrillers“ mit fünf Hitchcock-Filmmusiken.

Herrmann schrieb Kammermusik wie das Streichquartett „Echoes“ und arbeitete vermehrt als Gastdirigent, so beim „London Philharmonic Orchestra“, beim „Hallé Orchestra“ und beim „BBC Symphony Orchestra“.  Doch falls er insgeheim gehofft haben sollte, sich in einer Art Schmollwinkel von der Arbeit für den Film emanzipieren zu können, wurde er im positiven Sinne enttäuscht. Eine junge Generation von Filmemachern – viele von ihnen erklärte Hitchcock-Verehrer – stand vor der Tür.

Forts. folgt
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* Zum Thema kommerzieller Filmsong siehe auch https://blog.montyarnold.de/2015/05/10/bitte-nicht-hassen/

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