Aus sich heraus komisch

Namen seien Schall und Rauch, sagt ein bedeutender deutscher Dichter und Denker. Ich bin anderer Meinung. Ich staune immer wieder, die treffend Namen sind, wie bedingungslos sie stets (zumindest im wirklichen Leben, nicht immer in erfundenen Kontexten) zu denjenigen passen, die sie tragen. Dabei wurden sie zu einem Zeitpunkt vergeben, da die bezeichnete Persönlichkeit noch gar nicht existierte. Gut, hin und wieder bürgern sich nachträglich Kosenamen ein, die das Original verdrängen, aber auch da kommt es auf das Ergebnis an.

Als Autor betreibe ich hin und wieder Namedropping und verlasse mich stets darauf, dass ein Name auch dann seine Wirkung nicht verfehlt, wenn er vom Publikum nicht gekannt wird. (Hin und wieder stoße ich redaktionellerseits auf Widerstand, aber ich bin unverbesserlich!) Muss man denn wissen, was die Träger so sprechender Namen wie Hazy Osterwald, Jacques Offenbach oder Lytton Strachey (sprich: Stretchie) beruflich gemacht haben? Nicht zwingend. Der Klang dieser Namen genügt. Sie lachen uns an, sie sehen fast aus wie eines dieser Bilder, die bekanntlich mehr sagen als tausend Zeilen. Sie schaffen Atmosphäre, was für den Witz mitunter wichtiger ist als iregendwelche Einzelheiten.
In einem Chanson von Noël Coward, das von Namen zeitgenössischer Persönlichkeiten wimmelt, fällt einer, mit dem ich nie etwas anfangen konnte: Hilda Garden Hutch. Das Live-Publikum auf der Aufnahme lacht, und ich lachte auch, ganz einfach weil „Hilda Garden Hutch“ nunmal zum Totlachen ist – besonders, wenn man weiß, dass tatsächlich irgendjemand so heißt.
Erst Jahre später hatte ich das Bedürfnis, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich recherchierte, und – fand nichts heraus. Nicht einmal im Internet. Es mag sich um eine folkloristische Figur aus der Zeit Noël Cowards handeln, vielleicht eine skurrile Gesellschaftsdame, ein verrauchter Inside-Joke.
Wie gesagt – es spielt ja gottseidank keine Rolle.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Essay „Humor Omnia Vincit“

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