Hummel Hummel

Auf zwei großen Steckenpferden bin ich durch meine Kindheit geritten: Ägyptologie und Bombologie. Erstere kannte ich nur aus Büchern, denn erstens verreisten meine Eltern nie mit uns Kindern – schon gar nicht ins Ausland! – und zweitens hätte mich das Reiseziel Ägypten schon aus klimatischen Gründen nicht gereizt, so sehr mich Ästhetik und Mythologie dieses Landes auch begeisterten. Umso persönlicher war meine Tuchfühlung mit dem zweiten Thema: der Beschäftigung mit Hummeln, befand sich doch gleich im Anschluss an unser Grundstück eine riesige Wiesenfläche, und zur damaligen Zeit – es waren die 70er Jahre – summte und brummte es in den hohen sommerlichen Graslandschaften, dass es eine Lust war.
Obwohl Hummeln in der TV-Serie „Die Biene Maja“, die ich vor ihrer Entstehung sogar schon in der zugrundeliegenden Buchform genossen hatte, keine Rolle spielten, haben mich diese Tierchen immer begeistert. Schon als Kind zogen mich Widersprüche magisch an, in diesem Falle: die Kombination aus einem Insektenwesen und einem hübsch gemusterten Pelz, der bei günstigeren Größenverhältnissen geradezu kuschelig ausgesehen hätte.

Die Hummel – Klasse: Insecta, Ordnung: Hymenoptera, Familie: Adipe, Gattung: Bombus.
Die Hummel gibt es seit 80 bis 100 Millionen Jahren. Grashummeln, Erdhummeln, Baumhummeln, Sandhummeln, Deichhummeln … – 300, vielleicht 800 Arten bevölkerten einst die Erde. Noch längst nicht alle Hummel-Arten sind bekannt. Hummeln können noch bei -5° überleben.
Gründerin eines Hummelvolkes ist die Hummelkönigin. Sie reist im Frühjahr über Wiesen und Felder mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 60 Stundenkilometern, saugt mit ihrem Rüsselchen Nektar aus den ersten Blüten und bürstet mit den Beinchen Blütenstaub ab, denn es gilt, eine große Familie zu gründen: in Vogelnestern, in Baumhöhlen, im Gebälk von Scheunen, am häufigsten jedoch zu ebener Erde in verlassenen Mäusenestern. Die Königin flicht aus Stroh, aus Maulwurfs- und Mäusefellwolle eine dichte Kugel und baut hier hinein aus Pollen und Wachs ihre Brutzellen. Eine Zelle jeweils für 7 bis 15 Eier. Der Bau wird versiegelt mit Pollen und Wachs. Die ersten Larven schlüpfen nach drei bis 6 Tagen – hilflose Babies, ganz auf die Fürsorge der Mutter angewiesen. Nach mehrmaligem Häuten spinnen sie schließlich einen Kokon und verpuppen sich. Neun bis zwölf Tage später sind zuerst die Arbeiterinnen erwachsen, nach 22 Tagen die Drohne und nach 24 Tagen – als Krönung sozusagen – die Jungkönigin. In Schüben schlüpfen nun immer mehr Hummeln, bis ein Volk seine optimale Starke erreicht hat: je nach Art 50 bis 600 Exemplare. Schon Etwa sechs bis acht Wochen nach ihrer Staatsgründung ist die Königin unfruchtbar. Es sterben die Arbeiterinnen der ersten Stunde, während die Jungköniginnen auf Hochzeitsflug gehen. Sie vermählen sich mit den Drohnen – lassen sich anlocken von ihrem betörendem Duft – und dann haben auch die Drohnen ihre Schuldigkeit getan. Eine Zweiwochen-Existenz fristen sie lediglich, gehen zugrunde nach dem Hochzeitsflug. Fröhlich und munter sammeln die Jungköniginnen in ihrer Honigblase etwa 5 mg Nektar, futtern sich etwa 100 mg Fett an, bevor sie sich zu ihrem Winterschlaf zurückziehen.
Viele wachen nicht wieder auf. Mehr als die Hälfte der einheimischen Hummelarten ist seit damals verschwunden.
Für immer. Wie die alten Ägypter.

Dieser Beitrag wurde unter Fernsehen, Literatur, Manuskript, Naturwissenschaften abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>