Sunken Rhapsodies – Konzertmusik für das Kino (3): „Orient Plays“

Der amerikanische Spielfilm „The World Of Henry Orient“ ist ein etwas obskures Produkt aus glanzvoller Zeit: Mitte der 60er Jahre befand sich eine bestimmte Art eleganter und gleichsam lässiger Technicolor-Komödien auf ihren Höhepunkt. Star des Films ist Peter Sellers, der im selben Jahr in „Der Rosarote Panther“ erstmals seine erfolgreichste Rolle spielte. Sellers spielt in „Henrys Liebesleben“ die Titel-, aber nicht die Hauptrolle: einen gefeierten Avantgarde-Pianisten, dem zwei pubertierende Mädchen nachstellen.
Wie stets, wenn ein Film in einem fiktiven Musikermilieu angesiedelt ist, müssen sich die Macher ein wenig vorführbares Material ausdenken, die der Held angeblich geschrieben hat. Hier fällt diese Aufgabe Elmer Bernstein zu, Wegbereiter des Jazz im Kino und Schöpfer solcher Ohrwürmer wie „Die glorreichen Sieben“. Er erhält den Auftrag, ein Orchesterwerk zu schreiben, das ausreichend schräg und irritierend ist, um gewisse Reaktionen zu provozieren. Eine Konzertbesucherin sagt vor Beginn zu ihrer Sitznachbarin: „Hoffentlich wird mir nicht schlecht davon“. Ein Abonnent dreht während der Darbietung sein Hörgerät leiser und genießt erst dann den Abend. Der Dirigent souffliert dem Klaviervirtuosen die richtige Tonart, die Orchestermusiker spielen zwischen ihren Einsätzen Brettspiele, und selbst die jungen Verehrerinnen finden, dass der Meister mehr üben sollte.
Soweit es mich betrifft, hat Elmer Bernstein in dieser heiklen Mission versagt, denn ich mag das Stück (- wie so ziemlich alles, war geschrieben hat).

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