Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Komponist Bernard Herrmann (22)

Forstsetzung vom 4.12.2018

Trotz angeschlagener Gesundheit (die nicht zuletzt einem  ungesunden Lebenswandel geschuldet war), pflegte Herrmann in seinen Londoner Jahren eine rege Dirigententätigkeit in Konzerten und für die Schallplatte. Insgesamt hat er seit seiner Flucht aus Hollywood 1966 in den DECCA-Studios in West Hampstead und in Kingsway Hall fast 30 Schallplatten aufgenommen, darunter seine wichtigsten Konzertstücke. Zusammen mit den diversen Neuauflagen seiner Filmmusik in der brillanten Phase-4-Technik bringt er es auf eine beachtliche Dokumentation seiner Kunst.

Wie alle Dirigenten änderte Herrmann im Alter sein Tempo – er wurde (wie die meisten) langsamer. Als Charles Gerhardt im Rahmen seiner RCA-Schallplattenserie „The Classic Film Scores Of …“* bei Miklós Rózsa angelangt war, erschien Dr. Rózsa persönlich zur Aufnahmesession. Auch das Ehepaar Herrmann war anwesend. Als das Orchester zu spielen begann, mischte sich Herrmann ein: „Um Gottes Willen, ihr spielt das alles viel zu schnell! So klingt doch kein Rózsa!“ Auch die Intervention des Komponisten selbst vermochte ihn nicht zu bremsen. So nahmen ihn Gattin Norma und Produzent George Korngold mit zum Lunch, damit Gerhardt die Aufnahme fortsetzen konnte.
Herrmanns eigene Neuaufnahmen seiner alten Soundtracks sind ebenfalls langsamer dirigiert, was einigen besser bekommt („The Three Worlds Of Gulliver“), anderen einiges von ihrer verstörenden Kraft raubt („Psycho“).
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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2015/02/06/hollywoods-karajan-hollywoods-george-martin/
Forts. folgt

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