„Der Tatortreiniger“ – eine Ausstiegsdroge

betr.: Ende der NDR-Comedyserie „Der Tatortreiniger“

Nun sind sie also vorbei, die hochvergnüglichen Abenteuer des morbiden Saubermachers Schotty. Das ist eine traurige Nachricht.
Nach sieben Jahren der Herstellung von einigen der gescheitesten und witzigsten Drehbücher im deutschsprachigen Medienbetrieb, der Gestaltung einer Unzahl geistreicher Typenportraits (ohne der Tiefbrettbohrerei zu verfallen) und Heimatbilder (ohne jede Tümelei) in einer anarchischen Tutigkeit, wie sie doch eigentlich gar nicht herstellbar sein kann, sowie einer Sorgsamkeit der Umsetzung, die an in ihren besten Momenten an Loriot denken ließ, hatten sich die Macher einfach mal einen Jux verdient. Man hätte ja im Rahmen der Drehschluss-Fete die Kulissen kurz und klein schlagen können (ein uralter Brauch der Fernsehbranche), aber das ging ohne eine feste Kulisse ja nicht. Au ja: wie wär’s denn mit einem lustigen Special, wo man mal so richtig auf die Kacke haut und einfach nur Unsinn macht. In Amerika machen sie das doch auch immer so … Aber so richtigen Blödsinn! Baren Schwachfug, wie er durchaus in einen Folgen angeklungen ist, aber eben nur angeklungen.
Gesagt getan: eine etwas längere Episode wurde produziert, in der restlos alles versemmelt wurde, was sich jahrelang wacker gegen redaktionelle Kleinkrümeligkeit und einen rapide blöder werdenden Mainstream gestemmt hatte. Nun regnete es miefige Klischees, Pipikackawitzchen, selbstreflxiv tuende Rührseligkeit und ein Humor der Marke „Ich zieh mich aus und spiel‘ mit meinen Sachen“. Tolldu!
Viele, viele Kollegen aus den vorangegangenen 30 Folgen wurden dazu eingeladen – schließlich gab’s ja nur den einen Helden als durchgehende Figur, und man hatte sich teilweise ewig nicht gesehen.
Nichts für ungut – das hab ihr euch verdient, Leute! Wer, wenn nicht ihr? Es wäre sicher kugellustig gewesen, das Ergebnis auf der großen Abschiedsparty zu präsentieren und allen eine DVD mitzugeben … oder einen Link oder was man heute eben so mitgibt … und angesichts des Auseinanderbrechens der „großen Familie“ eine Träne im Augenwinkel zu zerquetschen. Dann würde der Kram jetzt durch die sozialen Netzwerke geistern, jeder hätte es sich die ersten drei Minuten angeschaut, und keinem wäre der Hut hochgegangen.

Doch tragischerweise wurde diese Gegendarstellung unter dem beziehungsreichen Titel „Einunddreißig“ ganz regulär als Schlussfolge ausgestrahlt und in die Mediatheken gestellt. Die wirklichen Fans sollten das Anschauen denen überlassen, die diese Serie noch nie gemocht haben! (Kaum zu glauben, aber auch solche soll’s ja geben …)

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