Tacheles mit John Cleese

betr.: 46. Jahrestag der Erstausstrahlung von Folge (1/2) der Serie „Monty Pythons fliegender Zirkus“ (ARD)

Ich sage das Folgende wissend, wie kokett es klingt, doch es muss raus: beim Lesen der Autobiographie eines der erfolgreichsten und profiliertesten lebenden Komiker, John Cleese, hätte ich zu gern immer wieder Sachen wie „Jawoll!“, „Sehr richtig!“ oder (Pardon!) „Genau wie bei mir!“ an den Rand geschrieben. Nicht, dass ich meine weit zurückliegende Zeit als Kabarettist irgendwie in die Nähe der Arbeit von John Cleese rücken will. Ich möchte vielmehr darauf hinweisen, dass es auch in einer so unexakten Wissenschaft wie der Unterhaltung Gesetzmäßigkeiten gibt, die – einmal sauber formuliert – für uns alle gelten, die wir vor eine Gruppe Menschen hintreten, das wir zum Lachen bringen wollen. Mr. Cleese geht sogar so weit, das Publikum ich will nicht sagen zu kritisieren, aber doch als Teil des Spiels in die Pflicht zu nehmen. Er stellt verblüfft fest, wie viele Ausrutscher man im Saal bereit ist, dem Künstler als (gute) Absicht durchgehen zu lassen – solange dieser nicht so dämlich ist, sein Versagen offenzulegen, indem er sich entschuldigt.
Das interesselose Wohlgefallen der Fans kann man sich freilich auch regulär zunutze machen. Nicht etwa, um mit Pannen durchzukommen, sondern mit faulem Arbeiten (sprich: mit schlechtem Material).
Einmal unterscheidet Cleese zwischen richtigem Comedy-Publikum und „Stadionfans“, die „mit ihren übertriebenen Begeisterungsbekundungen“ „zu einem integralen Bestandteil der Show geworden“ seien oder diese gar „mehr oder weniger an sich gerissen“ hätten. Einem leider nicht identifizierten amerikanischen Stand-up-Comedian („Das Publikum johlte bei jedem Witz, das heißt, es hat praktisch nie gelacht, immer nur gejohlt …“) attestiert Cleese die clevere Entwicklung „einer Comedy für humorlose Leute“.

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Eine Antwort auf Tacheles mit John Cleese

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