Wo nie ein Taktstock zuvor gewesen ist – Der Kompinist Bernard Herrmann (25)

Forstsetzung vom 24.12.2018 

Für „Taxi Driver“ kam der 64jährige Komponist erstmals nach knapp zehn Jahren wieder nach Hollywood. Die Geschichte um den unter Weltekel leidenden jungen New Yorker Taxifahrer Travis Bickle, der sich das Schicksal einer minderjährigen Prostituierten zum Anlass für einen Amoklauf in Gangsterkreisen nimmt, ist längst ein Klassiker und möglicherweise der einzige Film des Regisseurs Martin Scorsese, der eine korrekte Rezeption erfahren hat.
Bernard Herrmann schrieb eine Musik, aus der sein Personalstil deutlich herauszuhören ist, und doch ist sie seine vielleicht überraschendste Arbeit: jazzig, vital, jugendlich.
Die ihrerseits berühmt gewordene Ouvertüre zu „Taxi Driver“, über die Robert de Niro seinen klassischen Selbstjustiz-Monolog spricht, ist wie eine Parallelmontage aufgebaut: ein bluenote-artiges Saxophonsolo wechselt sich ab mit Harfenglissandi und dem dumpfen Brodeln der Snare-Drums. Tiefer können wir nicht hinabsteigen in den Sumpf der Großstadt. Folgerichtig wird im Schlussakkord das „Psycho“-Motiv zitiert.
Die Musikaufnahmen endeten am Heiligabend 1975, wenige Stunden später starb Bernard Herrmann.

Obwohl der Meister seine Wiederentdeckung und einen richtiggehenden Kult um seine Musik noch erleben durfte, wusste sein mürrisches Gemüt es besser. Er erfreute sich nicht am Erfolg seiner populären Arbeiten (ein bei Filmmusikern oft zu beobachtender Ansatz), beklagte die allgemeine Vernachlässigung seiner Konzertmusik und wird besonders häufig mit dem Satz zitiert: „Maybe I’ll be remembered for a few lousy movies.“

Da hat er recht. Es waren verblüffend wenig schlechte Filme, an die man sich auch seinetwegen erinnern wird.

ENDE

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