Käfer im August

betr.: Erderwärmung

Dieses Gedicht stammt aus meinem Soloprogramm „Orpheus in der Einbauküche“ (1991) und wurde von Florian Nock* vertont. Beim Proben stellte sich eher zufällig heraus, dass sich die Nummer als Parodie auf Herbert Grönemeyer am hübschesten in die Geschichte einfügt.

Käfer im August

Es ist ein Ödland aus Beton, auf dem sie alle liegen.
Die Beinchen hilflos ausgestreckt und schutzlos vor dem Feuerball,
der über dem am Himmel steht und rastlos auf sie niederbrennt.
Wie Käfer liegen sie umher und wissen nicht, wie lange schon.
Das Pflaster heiß, der Panzer schwer –
es könnten beinah Menschen sein.
Es macht keinen Unterschied.

Da strampeln sie im Abendrot, der eine müd, der nächste tot,
so liegen sie von früh bis spät, alleine, wenn’s zuende geht.
Der eine bemüht sich, der andre ist starr,
der eine ist jung, der andere alt,
der eine hat Träume, der nächste nicht –
es macht keinen Unterschied.

Da zappeln sie im Sonnenlicht, sie zappeln und finden den Boden nicht,
an den sie festgebunden sind, vor Hunger taub, vor Hitze blind.
Der eine ist ein Taugenichts, der andere ein Mann von Welt,
der nächste ist ein großer Kopf, der vierte kennt ein Schumann-Lied,
Da kennen sich zwei, da hassen sich zwei,
da meiden sie sich, da lieben sie sich –
es macht keinen Unterschied!

Doch plötzlich hat einer den Boden berührt,
er rappelt sich auf und gewinnt!
Und Hoffnung keimt auf in den andern umher,
der eine ist frei, doch er sieht sie nicht mehr.
Er jubelt nur kraftlos „Juheißa“ und flieht –
es macht keinen Unterschied.

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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2018/10/29/die-frau-mit-den-vier-elefanten/

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