Die wiedergefundene Textstelle: Über W. Somerset Maugham

betr.:  145. Geburtstag von William Somerset Maugham

Die in Folge 73 der an dieser Stelle bereits gewürdigten Sendung „Klassiker der Weltliteratur“* befasste sich mit W. Somerset Maugham. Sie steht in der BR-Mediathek (unter S wie Somerset Maugham, nicht unter M wie Maugham). Sie ist leider nicht in jenem Buch nachzulesen, das einen kleinen Teil der wundervollen Autorenportraits von Tilman Spengler versammelt: „Haben Sie das wirklich alles im Kopf?“
Deshalb will ich hier kurz daraus zitieren und Ihnen die komplette Viertelstunde** ans Herz legen.

Somerset Maugham war wohl neben Joseph Conrad ein Schriftsteller, für den die Umschreibung weit gereist eine pralle Untertreibung ist. Bisweilen hat der Leser den Eindruck, dieser Autor müsse immer wieder der Furcht vor dem Eingesperrtsein entkommen, die ihm die finstere Zeit im Internat eingeflößt hatte. Er lebte in Frankreich und in Spanien, in den USA und in der Schweiz, er reiste in den Fernen Osten und in die Südsee, und er brachte Geschichten mit, die sich zu Romanen verdichten ließen. Aus der Südsee etwa die Legenden, die sich dort um den verstorbenen Maler Paul Gaugin rankten. Gaugin hatte nach einer sturznormalen Karriere an der Pariser Börse plötzlich alle Brücken zu seiner Familie abgebrochen, um sich ganz der Malerei zu widmen und war dazu nach Tahiti gezogen. „The Moon And Sixpence“ heißt dieses Werk von Somerset Maugham aus dem Jahre 1919. Die deutschen Übersetzer entschieden sich zunächst für einen Titel, der ein wenig nach Dostojewski schielte, „Der Besessene“. Eine spätere Übertragung vertraute dem Zauber des deutschen Heimatfilms und hieß „Silbermond und Kupfermünze“.
Somerset Maugham rekonstruierte Teile des Lebens dieses französischen Früh-Expressionisten, erforschte Momente jener abenteuerlichen Geschichten von einem Maler für den nichts zählte als die Kunst, und er bringt sich selbst in die Geschichte auch ein. Der merkwürdig distanzierte Ich-Erzähler des Romans ist niemand anders als der Autor selbst. Allerdings – und diese Pointe scheint bezeichnend – die Haltung des Malers, der mit seinen Engsten und Liebsten gleichsam wortlos bricht, ist eine, die auch Maugham nicht fremd war. Maugham war nämlich bisexuell , hielt sich für „zu drei Viertel hetero“ – er nannte das „normal“ – „und für den Rest anders“, glaubte aber am Ende seines Lebens, dass das Mischungsverhältnis umgekehrt vielleicht korrekter beschrieben wäre.
Seine Beziehungen mit Frauen endeten jeweils stets katastrophal  für die Frauen. Seine männlichen Partner mussten viel Glauben an Toleranz aufbringen und wenig Hoffnung in sexuelle Treue setzen.

Nun wurden damals Homosexuelle noch geächtet und polizeilich verfolgt, ihr Leben war immer eines im Ausnahmezustand, oft im Verborgenen. Und diese Bedingung prädestinierte den Schriftsteller noch für einen anderen Beruf, in dem es auch um Geschichten geht: Somerset Maugham arbeitete während des Ersten Weltkriegs für den Geheimdienst seiner Majestät …
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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2015/01/07/doppelplusglueck-mit-tilman-spengler/
** https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/klassiker-der-weltliteratur/william-somerset-maugham-des-menschen-hoerigkeit-roman100.html

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