Das große „Captain Marvel“-Schmähbuch

betr.: die „Captain Marvel Anthologie“ von Panini

Als Leser der „Captain Marvel Anthologie“ sollte man kein allzugroßer Fan von „Captain Marvel“ sein. Die zuständige Redaktion ist es jedenfalls nicht.

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„Captain Marvel – zwischen den Sternen“ ist ein offensichtliches Begleitbuch für die anlaufende Filmreihe mit Brie Larson in der Hauptrolle, aber das genügt ihm nicht. Es tut auch noch so, als wolle es die wichtigsten Kapitel in der wechselvollen Geschichte dieses Helden-Charakters* noch- oder erstmals zugänglich machen. Vor jedes darin nachgedruckte Heft – das erste erschien auf dem Höhepunkt von Marvels Silver Age – wurde ein kundiger Artikel gesetzt. Gemeinsam mit den Stories wollen diese Texte einen roten Faden von „The Coming Of Captain Marvel“ (1967)** in die Gegenwart spinnen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die Auswahl der Geschichten strotzt nur so vor Desinteresse am Thema des Bandes, „den PANINI extra für den europäischen Markt zusammengestellt hat“.

Da die ersten beiden Kapitel der Saga in den USA in einem anthologischen Magazin erschienen sind, ehe der zunächst noch männliche Held eine eigene Serie bekam, wäre es sinnvoll gewesen, sie beide in den Band aufzunehmen – und nicht nur das erste. Dieser Anfang ist für das Verständnis der Geschichte notwendig und erschien noch nie auf Deutsch, obwohl es bei uns zwei periodische „Captain Marvel“-Publikationen gegeben hat.* Mit dem 2. Kapitel entfällt auch der erste Auftritt jener Carol Danvers, um die es in dem Buch angeblich geht.
Die Wiedergeburt des ursprünglichen Captain Marvel, seine auch äußerliche Umgestaltung im All, fehlt ebenso wie seine Begegnung mit den „Avengers“, auf die sich heute bei Marvel so gern bezogen wird. Auch den „Tod des Captain Marvel“*** sucht man vergeblich – ein herausragendes Ereignis der Superhelden-Literatur, das den letzten „Captain Marvel“-Relaunch erst ermöglicht hat.

Ach, das Buch ist gar nicht für Comic-Liebhaber gedacht, sondern nur ein Fan-Artikel für Kinogänger? Was soll dann das Geschwafel von „Zeitreise und Nachschlagewerk für Leser und Sammler“, die Umschreibung als „Meilensteinsammlung – und nicht zuletzt als Abhandlung der Geschichte und Historie“. Das muss dann wohl die „Marketing-Verarsche“ sein, von der man immer wieder hört.

Einige klassische Seiten des besprochenen Bandes finden sich als Leseprobe unter http://www.mycomics.de/comic-pages/11086-captain-marvel-anthologie.html#page/12/mode/2up
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* Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2017/01/01/captain-marvel-die-deutsche-chronologie/
** Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2019/01/30/captain-marvel/
*** Siehe dazu auch https://blog.montyarnold.de/2019/02/01/captain-marvel-2/

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3 Antworten auf Das große „Captain Marvel“-Schmähbuch

  1. Felix Schroeder sagt:

    Hallo Monty,
    vielen Dank für diesen gut geratenen Verrisss. Wir sind vielleicht Weltmeister im Meckern und Erfinden von Problemen aber Amateure in Sachen Kritik.
    Dein Blog ist extrem lesenswert. Ich bin dankbar, dass Du ebenfalls Williams- und Marvelfan bist, denn darüber bekomme ich viel zu wenig zu lesen.
    Das soll für einen sonnigen Sonntag genügen: weiter viel Spaß: Felix

  2. Pingback: Die Marvels wie sie wirklich waren - Monty Arnold blogt.Monty Arnold blogt.

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