The biggest … nein, the GREATEST Loser

betr.: 69. Geburtstag von William H. Macy

Es gibt sie vereinzelt im Film, diese schauspielerischen Portraits, die einen ganzen Menschentypus einfangen und in ewige Sicherheit bringen. William H. Macy gelang dies  1996 in „Fargo“– zu einem Zeitpunkt also, da er schon stramm auf die 50 zuging. Aber die Jahre bis dahin hatte er genutzt, um das Schauspiel – das Theater mit allem Drum und Dran – zu erlernen. Er gehört seither zum Umfeld des genialen Theaterautors David Mamet und gründete sogar eine Schauspielertruppe.
Seit „Fargo“ ist er auch im Film und zuletzt besonders im Fernsehen ( was in unseren Tagen eine Beförderung bedeutet) sehr erfolgreich.

Der Gebrauchtwagenhändler Jerry, den Macy hier spielt, ist ein Archetyp: die definitive Realisation des unbefriedigten  Komplettversagers, von Sohn und Gattin ignoriert, vom Schwiegervater im darwinistischen Maßstab verachtet und im Beruf ein Würstchen. Auch die übrigen Charaktere sind kleine und allerkleinste Würstchen, zusammengeworfen auf dem für sie idealen Nährboden: der Provinz, über die sich zudem ein erbarmungsloser Winter gelegt hat. Da sich Jerry mit Gangstern einlässt und krumme Touren versucht, um seiner privaten Hölle zu entwischen, hält sein Leben umso größere Frustrationen bereit.
Für mich liegt die besondere Ironie dieses Films – er hält für jeden Betrachter eine eigene bereit – darin, dass kein in die Sache Verwickelter ein anderes, weniger tristes Leben führen würde, würde der Plan zu seinen Gunsten aufgehen. Niemand käme heraus aus seiner Haut oder den Verhältnissen.

Erst 12 Jahre später kam es zu einer Filmfigur, die dem scheiternden Kleinbürger der Nach-„Fargo“-Ära eine Facette hinzufügte (ohne Macys Kunst in irgendeiner Weise zu minimieren). Bryan Cranstons „Walter White“ in der Serie „Breaking Bad“ ist deren Weiterentwicklung. Er schaffte es, vor seiner unweigerlichen Fahrt zur Hölle noch eine Menge Spaß zu haben und den Spieß der Opferrolle, in die er ganz allmählich hineingewachsen war, umzudrehen. Er wurde zum schlimmsten der Gangster, mit denen er sich eingelassen hat.

Wie unersetzlich William H. Macy dennoch ist und bleibt, erkennt man z. B., wenn man sich die TV-Serie „Fargo“ ansieht, deren erste Staffel auf sehr pfiffige Weise zwischen Sequel, Prequel und Remake des gleichnamigen Films oszilliert … und die auf Macy verzichten muss.

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