Die Hinterlegten

betr.: Iffland-Ring für Jens Harzer (SPIEGEL 14 / 2019)

Sie werden das wissen: der verstorbene Bruno Ganz hat den Iffland-Ring an Jens Harzer weitergegeben (jene dem „bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ verliehene Auszeichnung). Der hat nun – wie jeder so Geehrte – drei Monate Zeit, einen Nachfolger zu bestimmen und in einem offiziell hinterlegten, geheimen Brief zu vermerken. Bruno Ganz hat den Ring 23 Jahre lang besessen, also seit jenem Jahr, in dem er mit Jens Harzer auf der Bühne zusammentraf: in „Ithaka“ von Botho Strauß, ihrer einzigen gemeinsamen Arbeit.

Als dies in den letzten Tagen die Runde machte, lief die ganze weihevolle Zwickmühle dieser Prozedur wie ein Einakter vor meinem inneren Auge ab: Bruno Ganz empfängt die Ehrung, damals in den seligen 90ern, und muss sich zügig festzulegen. Einerseits ist das einleuchtend – denn es könnte ihm ja etwas zustoßen, und dann bliebe das Schmuckstück unvergeben. Andererseits würde man sich für den Ritterschlag zum „bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ doch gern ein wenig Zeit lassen. Meine Fantasie improvisierte sich den frischgebackenen Ringträger zurecht, der den Gesuchten unter seinen jungen Kollegen in der aktuellen Produktion fand. Na bitte, erledigt! Der junge Mann wird sich schon bewähren (– hat er ja auch).
Doch nun sehe ich im SPIEGEL ein Foto des Schreibens, das eindeutig ein Datum vom Herbst 2014 trägt.
Damit ist der nächste Einakter fällig: wer mag wohl vorher in Herrn Ganz‘ geheimem Briefumschlag gesteckt haben? Was mag der / mögen die Er- und wieder Abgewählten wohl verbrochen haben, um in den Jahren bis 2014 von dieser Urkunde gefegt zu werden? Sie könnten das Zeitliche gesegnet haben. Das wäre die harmlosere Erklärung …

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