Die schönsten Comics, die ich kenne (27): „Medizinische Missverständnisse“

„Zio Paperone e la ‚triàca veneziana'“, erstmals in „Topolino“ Nr. 802 / 11.4.1971, Story: Abramo und Giampaolo Barosso, Zeichnungen: Massimo De Vita, deutsch in „Micky Maus“ 8 – 11/1974 sowie im „Donald Duck Sonderheft“ Nr. 103 / 1989, übersetzt von Dr. Erika Fuchs und (um eine Szene gekürzt und von 3 auf 4 Zeilen ummontiert, mit geänderter Pointe) als „Das Allheilmittel“ in LTB 33 „Ein Milliardär hat’s schwer“ vom 14.4.1975, übersetzt von Gudrun Penndorf.

Onkel Dagobert ist entsetzt, als man ihm nach einem Gesundheitscheck eine Unmenge Medikamente verschreibt. Der Arzt erzählt ihm von einem antiken Allheilmittel – und Dagobert hört die Kasse klingeln. Er besucht Onkel Primus, den Gelehrten der Familie, der tatsächlich das Rezept für dieses Wundermittel in seinen Unterlagen findet. Doch Dagoberts Freude währt nur kurz: die Liste verlangt nach haarsträubenden Zutaten wie Drachenblut, Wolfsmilch und zerstoßenen Schusternägeln. Er lässt seine Neffen Gustav und Donald in einen Wettbewerb treten: wer die geheimnisvollen Zutaten als erster auftreibt, dem winkt eine Belohnung.
Gustav kommt sein unverschämtes Glück zu Hilfe, Donald hofft auf ein paar kluge Ratschläge aus dem Pfadfinderhandbuch, doch Tick, Trick und Track sind ins Skilager gefahren. Donald macht sich auf den Weg in die Berge, wo er in eine Lawine gerät …

„Medizinische Missverständnisse“ stammt aus der italienischen Produktion, mit der wir deutschen Leser durch die Taschenbücher besonders gut vertraut sind, ohne sie übermäßig zu schätzen; sie steht immer im Schatten des amerikanischen Repertoires, vor allem der Arbeiten von Carl Barks, des wichtigsten und erfindungsreichsten Donald-Duck-Zeichners. Diese Geschichte wurde von Massimo De Vita (*29.5.1941) gezeichnet, dessen eleganter und lebendiger Strich der Könnerschaft des großen Vorbildes (zumindest in seinen besten Zeiten) in vielerlei Hinsicht am ebenbürtigsten ist. (Was den stilistischen Wagemut betrifft, wird er von Kollegen wie Scarpa* oder Bottaro** durchaus noch übertroffen.) Inhaltlich wird das Konzept der großen Barks’schen Reiseabenteuer variiert: allerdings schlagen sich die Helden getrennt durch, und wo es sonst hinaus geht auf hohe See, wird Donald hier vom alpinen Pauschaltourismus herausgefordert.

„Medizinische Missverständnisse“ macht Lust (aber wenig Hoffnung) auf die Veröffentlichung einer systematischen Buchreihe mit den italienischen Großmeistern wie es sie bei Carl Barks schon in verschiedenen Variationen gegeben hat. Ein solches Unterfangen scheitert bereits daran, dass man sich auf die Auswahl der gewürdigten Zeichner (und deren bester Geschichten) schwerlich einigen könnte. Und dass niemand zugeben würde, dass die besten Zeiten zwischen 40 und 60 Jahre zurückliegen.
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2019/02/21/26-donald-und-die-krebse-in-burgunder/
** Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2018/02/06/die-schoensten-comics-die-ich-kenne-20-stadt-in-hypnose/

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