Warum Schauspieler saufen

Dass der Beruf des Schauspielers – Neigung und Talent vorausgesetzt – so ziemlich der schönste ist, den es geben kann, daran besteht kein Zweifel. Nach seiner Erweiterung um die Facette des Filmstars im Medienzeitalter galt er vielen als Traumjob. Und selbst zuvor, in den lang zurückliegenden Zeiten seiner Missachtung durch die bürgerliche Gesellschaft, muss er eine faszinierende Beschäftigung gewesen sein – wovon die berühmte Rede von Max Reinhardt ausführliche Kunde gibt.
Dennoch wird der Schauspielerberuf immer wieder mit dem Hang zum Alkoholismus in Verbindung gebracht, in Hollywood gerne auch mit Drogenexzessen. Gerade immens erfolgreiche Schauspieler schießen sich besonders übel ab – zuletzt etwa der seit Jugendtagen erfolgreiche Johnny Depp.
Wie passt das zusammen, wo doch der übertriebene Griff zu Rauschmitteln bekanntlich nur zwei Gründe haben kann: Selbstmitleid und Langeweile?

Im Theater, wo das Publikum persönlich auf einen bewunderten Schauspieler trifft, wird eine Unmenge Emotion freigesetzt. Man darf sogar von Liebe sprechen. Doch diese Liebe kann den Menschen hinter dem Künstler nicht erreichen. Sie wird von einer Masse an ein Idol gerichtet, nicht von Mensch zu Mensch. Eine Übertragung von der einen in die andere Währung ist nicht möglich. Es ist sicher nicht leicht, dieses Missverhältnis auszublenden und die so laut bekundete Zuneigung nicht persönlich zu nehmen.

Der Sohn von Harald Juhnke beschrieb das Problem am Beispiel seines Vaters, der in seinen letzten Tagen noch einmal ganz besonders gefeiert wurde. Nachdem ihm das Publikum im „Hauptmann von Köpenick“ zugejubelt hatte, kehrte er nach Hause zurück. Doch selbst die Liebe seiner Familie – die in diesem Beruf nicht selbstverständlich bzw. auf Tournee nicht zugänglich ist – erschien ihm nach all dem Applaus wie ein Abstieg.
Die Sex-Ikone Marilyn Monroe war nach der vereinfachten aber trefflichen Darstellung von Billy Wilder eine Frau, mit der jeder amerikanische Mann schlafen wollte. Doch was half’s? Als Grund für ihren frühen Tod durch Alkohol und Medikamente müssen wir ihre oft beklagte Einsamkeit und Unverstandenheit annehmen.

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