Bad Movies We Love: „Die sechs Verdächtigen“

betr.: 39. Todestag von George Pal

George Pal in ROCKY HORROR SHOWRocky Horror Picture Show“, Prelude – Richard O‘Brien

George Pal war ein aus Ungarn stammenden Animationsfilmer, der über die Bühnenbildnerei zum Film kam. Wir sollten ihm auf ewig dankbar sein, dass er 1959 eine Erzählung von H. G. Wells zum schönsten Science-Fiction-Film aller kommenden und vergangenen Zeiten machte. „Die Zeitmaschine“ überragt alle übrigen Arbeiten des Regisseurs, so auch den knapp zehn Jahre später von ihm produzierten Thriller „Die sechs Verdächtigen“ (Regie: Byron Haskin). Dennoch tut ihm der „Katholische Filmdienst“ unrecht, wenn er hier nur einen „einfallsarmen Science-Fiction-Film“ vorfindet. „Haiko’s Filmlexikon“ geht noch weiter und beklagt „bodenlose Naivitäten, wie sie damals halt Ganz (sic!) und Gäbe waren“. Ich würde sagen: Das klingt nach Fun, Leute!

Fantasy Film World Of George Pal_FDieses ergiebige Portrait des Filmemachers George Pal streift „Die sechs Verdächtigen“ immerhin kurz im Bonusmaterial. (Image Entertainment 1985 / 2000)

„Die sechs Verdächtigen“ ist – je nach Sichtweise – edler Trash* oder actionreicher Camp**. (Sigrid Löffler hätte wohl den Begriff „Kolportage“ verwendet.) Er verbindet die Motive und Erfahrungswerte des Paranoia-Kinos der 50er*** und des britischen Agentenfilms der 60er Jahre bis zu deren großem US-Vorbild „Der unsichtbare Dritte“ und formt sie zu einem unwiderstehlichen Gesamtkunstwerk: kultivierte Erzbösewichte mit abscheulichen Superwaffen, eine sehr schöne Frau, rasant wechselnde Schauplätze, kauzige Nebenfiguren, die vom Strudel der Ereignisse zermalmt werden. Der Held (gespielt vom jungen George Hamilton) ist seinen Mitmenschen in der Evolution vorausgeeilt, ohne sich dessen bewusst zu sein; der Originaltitel „The Power“ bezieht sich darauf. Die Genremischung bringt es mit sich, dass sich weder die Agentenfilm-Nachschlagewerke noch die des phantastischen Films so recht für das Werk zuständig fühlen.

Da der Komponist Miklós Rózsa (wie auch der Held und der Regisseur des Films) osteuropäische Wurzeln hat, ist das Hackbrett das zentrale Musikinstrument des Soundtracks (- wir sehen im Vorspann, wie es gespielt wird). Rózsa merkte in seiner Biographie 1982 an, dieses Instrument sei für ihn kein zweites Theremin geworden (mit welchem er in früheren Soundtracks viel Erfolg hatte, bevor es in den Händen jüngerer Kollegen zur wichtigsten Stimme im SF-Kino werden sollte). Das ist bedauerlich. Der Sound des Cymbalons ist ebenso finster, enigmatisch und sexy wie der gesamte Film.
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2014/09/23/abfall-ist-rohstoff-was-ist-trash/
** Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2014/10/04/eskapismus-fuer-geniesser-was-ist-camp/
*** Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2015/10/14/miss-froy-und-das-paranoia-kino/

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