Die Marvels wie sie wirklich waren: Ant-Man (Der Ameisenmann)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben. Das heutige Portrait versteht sich als Ergänzung zum letzten Thema „Die ruhmreichen Rächer“ (The Avengers) 

Der erstaunliche Ameisenmann
(und seine Varianten)

von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Ameisenmann_Seite 1

Henry „Hank“ Pym ist wohl die Marvel-Figur, die von Beginn ihrer Karriere innerhalb weniger Jahre die meisten Veränderungen erlebte. „Der Mann im Ameisenhügel“ vom Januar 1962 war kein Superheld, sondern ein Wissenschaftler, dessen Theorien und Experimente von seinen Kollegen belächelt wurden. Seine größte Errungenschaft war ein Serum, das auf Haut oder Gegenstände geträufelt zu einer Schrumpfung des Beträufelten führte. Eine zweite Flüssigkeit erzeugte den umgekehrten Effekt. Erschreckende Erlebnisse im Innern eines Ameisenhügels bringen den Professor dazu, seine beiden Flüssigkeiten zu vernichten.

Im Zuge des Superhelden-Booms erinnerte man sich im Hause Marvel nach einigen Monaten an die Story aus „Tales To Astonish“ # 27 und holte Ant-Man im September 1962 wieder aus der Versenkung. Da Henry Pym zwar die Flüssigkeiten, nicht aber deren Formel vernichtet hat, stellt er kurze Zeit nach den Geschehnissen aus TTA # 27 doch noch zwei Reagenzgläser mit den Seren her. Diese deponiert er sicher im Wandsafe seines Labors. Der Forschungsdrang war wohl einfach zu groß. Gleichzeitig beginnt er damit, die Ameisen zu studieren. Er bastelt an einem Helm, mit dessen Hilfe er mit den Insekten kommunizieren kann. Als russische Spione schließlich ihn und sein Labor ausrauben wollen, kommen Ant-Mans Wunderwaffen zum Einsatz.

Die Zeit des Kalten Kriegs spiegelt sich auch in „Tales To Astonish“ wieder. Sowjetische Bösewichte wie „Genosse X“ bzw. „Madame X“ dominieren manches Abenteuer. Nebenbei bringt der Ameisenmann sein Waffenarsenal auf Vordermann. Er erfindet eine Kanone, die ihn direkt zu seinen Einsätzen befördert, verbessert sein Kostüm und sein Serum, das nun gasförmig und damit leichter einsetzbar ist.

Im Juni 1963 erhält Ant-Man eine Partnerin. In einem Rückblick erfährt der Leser, dass Henry Pyms Ehefrau Maria während der Flitterwochen in Ungarn entführt und ermordet wurde. Ant-Mans Origin wird leicht verändert nacherzählt. So ist es der Gedanke an Maria, der ihn dazu bringt, sein Serum zu erfinden. Nach dieser gedanklichen Reise in die Vergangenheit lernt Pym Dr. Vernon Van Dyke und dessen Tochter Janet kennen. Vernon Van Dyke stirbt jedoch auf ungewöhnliche Weise bei einem seiner Experimente. Die Tochter schließt sich Ant-Man an, um den Fall gemeinsam aufzuklären. Dabei wird Janet Van Dyke zur Superheldin „Wespe“. Fortan kämpfen die beiden als Team gegen das Böse. Die „weibliche Seite“ verleiht Ant-Mans Abenteuern völlig neue Aspekte, denn plötzlich gehören Eifersüchteleien und gegenseitige Neckereien zur Tagesordnung.

In TTA # 49 wird Ant-Man zu Giant-Man. Zur Größenveränderung muss Henry Pym inzwischen nur noch eine kleine Kapsel schlucken. Zwei Ausgaben später bekommt die Wespe ihre eigene Mini-Serie innerhalb von TTA: „The Wonderful Wasp Tells A Tale“. Im März 1964 (TTA# 65) erlebt Giant-Man eine weitere Komplettveränderung seines Kostüms, in welchem er auch bei seinem letzten Einsatz in TTA # 69 auftritt.

Hank und Janet gehörten auch zu den Gründungsmitgliedern der Rächer. Der Wechsel von Ant-Man zu Giant-Man erfolgte dabei bereits im Monat nach der Erstausgabe. In „Avengers“ # 28 wird schließlich zu Goliath. Und in seiner späteren Identität als Yellowjacket (ab Avengers # 63) heiratet der Superheld seine langjährige Partnerin.

Wie bei den meisten Marvel-Helden verlief auch Ant-Mans deutsche Karriere zunächst recht chaotisch. Während sich Hank Pym als Giant-Man und Yellowjacket in den schwarzweißen Hit Comics der „Rächer“ austobte, liefen seine frühen Abenteuer als Ant-Man als Füllmaterial in den dreistelligen Nummern, wobei die Reihenfolge kaum schlimmer hätte sein können – von der Chronologie der Originale keine Spur mehr. Bei den Kurzgeschichten der Wespe lief es nicht besser. Der bsv ließ Ant-Mans Herkunftsgeschichte unter den Tisch fallen und startete in Hit Comics Nr. 100 mit dessen dritter Episode. Es folgten massig Lücken, von denen etwa die Hälfte durch spätere Abdrucke in den farbigen Hit Comics nachträglich geschlossen wurde. Immerhin zeigte der bsv die Entstehungsgeschichten von Wespe, Porcupine, Eraser, Whirlwind (Human Top) und andere seltene Storys. Sogar Giant-Mans letztes Kostüm kam zweimal zum Einsatz.

Besser erging es dem Helden beim Williams Verlag. Als Zweitheld in den Heften des „Eisernen“ durfte er seine ersten zehn Abenteuer in chronologisch korrekter Reihenfolge erleben. Leider bedeutete das Ende der Serie nach zwölf Ausgaben auch das Aus für Ant-Mans Abenteuer.

Ant-Man_3

Ant-Man-Checkliste
In diesem PDF finden sich neben der Liste auch einige Titelbilder.

Forts. folgt

 

 

 

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