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betr.: 70. Geburtstag von Bernd Eilert

Bernd Eilert, Humorist und langjähriger Hausautor von Otto, ist den Lesern der „Titanic“ unter dem Sammelpseudonym Hans Mentz bekannt, unter dem er mit anderen Autoren eine Humorkolumne betreut. Eilert studierte Theaterwissenschaft an der Universität Marburg und stieß 1970 zum „Scherzbergwerk“ der „Neuen Frankfurter Schule“ – als jüngstes Mitglied. Seine Otto-Kollegen sind 80 (Pit Knorr) und nicht mehr unter uns (Robert Gernhardt). (Hans Traxler ist sogar gerade 90 geworden …)
Eilert schrieb für Rundfunk und Fernsehen und gehörte zu den Gründern der „Titanic“, die im September ihren 40. feiern wird. Bernd Eilert feiert heute wiederum seinen 70., weshalb der Hessische Rundfunk in den Morgenstunden ein Gespräch mit ihm sendete. Hier seien nur ein paar Stellen wiedergegeben, die mich besonders gefreut haben.

Als die berühmte Anekdote fällt (Otto klaut einige Texte aus dem „Bergwerk“ für seine Bühnenshow, und als die Autoren nachhaken, beginnt eine lebenslange Zusammenarbeit), meint Eilert: „In Fragen des geistigen Eigentums war man in den 70er Jahren nicht so pingelig wie heute, wo jede Rechtsabteilung alles vorher abklopft“, besinnt sich dann aber doch: „Da gleichen sich die Zeiten jetzt langsam wieder an. Im Netz herrscht ja auch kein großes Bewusstsein für Urheber. Alles soll frei verfügbar sein … das war es damals aber auch schon nicht.“

Zur Binsenweisheit „Kunst kommt von Können“, fällt Bernd Eilert ein, dass selbst ein „Originalgenie“ wie F. K. Waechter* eine Grafikerausbildung hatte und Otto bei aller Blödelei ja auch ein sehr guter Gitarrist ist. „Können ist eine Grundlage, die für Talente durchaus nützlich sein kann.“ Dass man etwas gut kann – z.B. schreiben – merkt man selbst, wenn es einem gut von der Hand geht. „Wenn es einem natürlicher Ausdruck ist, wird man nicht daran zweifeln.“

„Wir haben nie für Zielgruppen gearbeitet“, sagt Bernd Eilert. „Wir haben gedacht: was uns Spaß macht, macht vielleicht auch anderen Spaß“. Ottos generationsübergreifenden Erfolg führt er auch darauf zurück, dass Otto ein Künstler aus jenen Tagen ist, da Humor noch volkstümlich war und für alle gemacht wurde. Längst ist die Komik zu Spartenkomik zerfallen: „Es gibt Komik für junge Frauen, für ältere Frauen, mittlere Frauen, es gibt Hundeflüsterer und was weiß ich …“
Dieser Verlust von Gemeinsinn hängt mit den Autoritäten zusammen, auf deren Ablehnung sich damals sofort alle einigen konnten und die heute so sehr an sich selbst zweifeln, dass sie keine rechte Angriffsfläche mehr bieten. Sie verweigern den Generationenkonflikt (als Folge ihres Wunsches, sich ihr Älterwerden nicht anmerken zu lassen).
Dabei musste ich an den Untergang der Volksparteien denken …
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* Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2016/11/17/die-schoensten-comics-die-ich-kenne-x-der-koenig-moecht-kegeln/.

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