Die Marvels wie sie wirklich waren: Daredevil / Der Dämon – Ein Mann ohne Furcht (1)

betr.: „Marvel’s Daredevil“

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben. 

Der Dämon – Ein Mann ohne Furcht
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/

Daredevil dt. S. 1Eröffnungsseite aus „Die Fantastischen Vier“ Nr. 1 mit der britischen Coverabbildung

Matt Murdock der Draufgänger

Daredevil wird im Allgemeinen als die letzte Schöpfung des „Marvel Age Of Comics“ gewertet. Sicher sagen einige, dass es nach 1964 noch den Silver Surfer und eine ganze Latte von Gruselgestalten gab, die nach der Lockerung des Comics Code in den Marvel Comics auftauchten und eigene Serien bekamen. Doch der Silver Surfer war nicht neu, sondern zog seine Bahnen schon lange vor dem Start seiner eigenen Reihe in den Heften der FV und des Hulk (in „Tales To Astonish“). Genauso verhielt es sich mit den Inhumans, Ka-Zar, Black Widow und Dr. Doom – alles alte Bekannte. Die anderen Charaktere wie Man-Thing, der zweite Ghost Rider (Johnny Blaze), Man-Wolf, Dracula, Frankenstein, Conan und selbst Luke Cage und Iron Fist zählen nicht mehr zum Silver Age.
Den Namen Daredevil (sinngemäß „Draufgänger“) hatte Stan Lee, wie er in diversen Interviews zugab, einer Comic-Figur der Lev Gleason Publications entlehnt. Deren Daredevil war ein Held des Golden Age. Eine Art Zirkusartist, umgeben von drei kleinwüchsigen Co-Stars, welche die „Wise Guys“ genannt wurden. Bis auf den Titel hatten die Serie und ihr Held jedoch nichts mit dem Marvel-Charakter gemein. Das Kostüm des Golden-Age-Daredevil war zweifarbig, links blau und rechts rot. Vom Juli 1941 bis September 1956 brachte es „Daredevil Comics“ auf insgesamt hundertvierunddreißig Hefte. Die Erstausgabe hieß: „Daredevil Battles Hitler“ und erschien bei Funnies Inc. Der Serientitel folgte erst mit „Daredevil Comics“ # 2 unter der Verlagsangabe Lev Gleason. Die Abenteuer des frühen Daredevil und seiner Little Wise Guys hatten viel Humor, während Stan Lees und Bill Everetts Draufgänger großenteils eher von tragischer Natur war.

Die Geburtsstunde des Teufelskerls

Wir schreiben das Jahr 1950. Preisboxer „Battling Murdock“ erklärt seinem achtjährigen Sohn, er habe dessen verstorbener Mutter versprochen, dass aus dem Kleinen etwas werden sollte. Statt Ballspielen soll Matthew lieber lernen. Für den Jungen ist sein Vater der Größte, doch dieser sieht sich viel eher als zukünftigen Punching Ball der aufstrebenden jungen Konkurrenz. Nie hat er Bildung genossen und hält seine Glanzzeit als Profi im Ring für abgeschlossen. Matthew gehorcht den Weisungen seines Vaters und gehört bald zu den Klassenbesten seiner Schule. Wie gerne würde er wie die Anderen an sportlichen Veranstaltungen teilnehmen, doch der brave Sohn lernt und lernt. Matthew wird zum Außenseiter und die Nachbarsjungen fangen an, ihn spöttisch als „Daredevil“ zu betiteln. Von einem teuflischen Draufgänger hat Matts Wesen jedoch nichts. Verärgert über die Hänseleien nutzt er die Zeit, während sein Vater im Boxring kämpft, um sich abzureagieren und seinen Körper zu trainieren. Indessen fällt es dem Vater immer schwerer, für Kämpfe engagiert zu werden. Seine letzte Chance sieht er darin, einen Vertrag mit dem „Fixer“ (etwa: Macher / Drahtzieher) einzugehen. Murdock hat dies jahrelang abgelehnt, da der Fixer für seine miesen Methoden bekannt ist.
Als Matt sich eines Tages auf dem Heimweg von der Bücherei befindet, bemerkt er einen blinden Mann, der geradewegs auf die Straße läuft und droht von einem Lastwagen erfasst zu werden. Nur das beherzte Eingreifen des Jungen kann den Blinden in letzter Sekunde vor der Gefahr retten. Aber Matt wird selbst zum Opfer. Der Truck hat radioaktives Material geladen, das sich beim Bremsmanöver von der Ladefläche löst. Einer der Zylinder wird beschädigt und der Inhalt schwappt dem Jungen ins Gesicht. Matt verliert sein Augenlicht. Zurück vom Krankenhaus bemerkt er, dass all seine anderen Sinne durch den Unfall um ein Vielfaches geschärft wurden. Die radioaktive Strahlung beschert ihm sogar eine Art zusätzlichen Radarsinn. Während des Krankenhausaufenthalts bringt es „Battling Murdock“ zu einem fabelhaften Comeback. Was er nicht weiß: Das ganze ist ein abgekartetes Spiel und sämtliche Kämpfe sind getürkt. Der Fixer hat Murdocks Gegner für deren Niederlage bezahlt. Als die Wetten gut genug stehen, soll sich der alte Haudegen selbst auf die Bretter schicken lassen. Doch am Abend des Kampfes sitzen Matt und sein Freund Foggy Nelson im Publikum, so dass Matts Vater noch einmal alles gibt und zeigen will, was in ihm steckt – und schließlich den Ring als Sieger verlässt. Die Quittung folgt postwendend: Murdock wird noch am selben Abend von einem angeheuerten Killer im Auftrag des Fixers erschossen.

Character-Sketch
Wally Woods Daredevil-Sketch aus dem Jahr 1964 nebst Foggy Nelson.

Trotz seiner Trauer schafft Matt seinen Abschluss und eröffnet zusammen mit Foggy eine Anwaltskanzlei. Allerdings glaubt er, sich niemals in Ruhe auf seine Arbeit konzentrieren zu können, während die Mörder seines Vaters frei sind. Sein Versprechen, nie in dessen Fußstapfen zu treten, kein Kämpfer zu werden und sich niemals allein von roher Kraft leiten zu lassen, bindet ihn zusätzlich. Da kommt ihm die rettende Idee: Nicht er, sondern jemand anderer könnte an seiner Stelle für Gerechtigkeit sorgen. Maskiert und kostümiert begibt sich Matt als sein Alter Ego Daredevil auf die Suche nach dem Fixer. Dieser erleidet während der Verfolgungsjagd einen Herzinfarkt und stirbt. Seine Schergen wandern in den Knast. So wird Matt Murdock zum zweifachen Verbrechensbekämpfer, tagsüber als Anwalt im Gerichtssaal und nachts als Daredevil in den Straßen von New York.

Forts. folgt

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