Die Freuden der guten Fachliteratur

betr.: Kultfilme / „Heyne Filmbibliothek“

Es gab eine Zeit, da informierte sich der Filmfreund über die Schauspielgrößen vor allem der amerikanischen Welt aus einer weißen Taschenbuchreihe aus dem Heyne-Verlag. Die meisten dieser Fibeln beschränkten sich darauf, die jeweilige Filmographie durchzugehen und flapsig zu bewerten, einige waren Übersetzungen, manche „Originalausgaben“. Jene Nummern, die sich keiner Person sondern eines Themas annahmen, wurden ihrem Gegenstand zumeist schon aus Gründen ihres Umfangs nicht gerecht, aber sie rundeten die Sammlung ab. Ende der 80er wurden die Bücher etwas dicker und ambitionierter und bekamen einen versilberten Look. Zunehmend fanden nun auch Taschenbuchausgaben existierender Biographien Eingang ins Angebot, 2000 erschien der 276. und letzte Band.

Besonderes Vergnügen bereitete 1985 die Nr. 73: „Kultfilme“. Ronald M. Hahn und Volker Jansen erklärten im Vorwort, was dieser Begriff bedeutet* (und worin der Unterschied z.B. zum Klassiker besteht) und beschrieben dann ausführlich 40 Beispiele zwischen 1927 („Metropolis“) und 1980 („Blues Brothers“).
Obschon sich obligatorisch bei all den Lesern entschuldigt wurde, die „ihren“ Kultfilm vermissten, verblüffte mich, wie ausgewogen, ja wie vollständig mir die Liste erschien. Das ging wohl auch dem Verlag so: die zum Trost scherzhaft in Aussicht gestellte Fortsetzung unterblieb ebenso wie eine Erweiterung der Neuauflage.
Ich gebe die Auswahl der Autoren hier nicht wieder, brächte ich Sie damit doch um ein lustvolles Gedankenspiel. Außerdem ist dieses Buch unverändert ein derartiges Vergnügen, dass ich die antiquarische Anschaffung unbedingt empfehlen möchte – auch für Filmfreunde, die sonst keine einschlägige Fachliteratur lesen.

KultfilmeSchon die Inhaltsangaben und Bildunterschriften sind das pure Vergnügen. Für den Coverboy Jean-Paul Belmondo in „Außer Atem“ finden die Autoren die treffliche Bezeichnung „New-Wave-Bogart“.

Ich habe mir in der langen Zeit, die seit meiner ersten Lektüre klammheimlich vergangen ist, immer mal wieder überlegt, ob die Liste inzwischen aus Gründen der Aktualität verlängert werden müsste.
Hier kommen die wenigen Filme, die mir seither eingefallen sind (zwei davon existierten schon zur Zeit der Erstauflage, mussten sich aber noch bewähren). Der jüngste davon ist auch schon süße 25 Jahre alt.
Der Kultfilm als Phänomen scheint ebenso aus unserem Leben verschwunden zu sein wie die „Heyne Filmbibliothek“.

Forts. folgt
unter https://blog.montyarnold.de/2019/07/26/kultfilme-nr-41-bis-45-nach-1980/)
______________
* Näheres dazu auch unter https://blog.montyarnold.de/2014/09/21/was-ist-kult/

Dieser Beitrag wurde unter Film, Medienkunde, Medienphilosophie abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Die Freuden der guten Fachliteratur

  1. Pingback: Kultfilme Nr. 41 bis 45 (nach 1980) - Monty Arnold blogt.Monty Arnold blogt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.