Der Kindheit ferne Hügel

betr.: die Großen Ferien

Wer die Kindheit als besonders schönen Lebensabschnitt verklärt, ist erwachsen. Das ist bezeichnend. Kinder kämen nie auf eine solche Bewertung. Ich denke jetzt nicht an jene, die ihre eigene Kindheit als glücklich bezeichnen – das können sie ja im Rückblick wahrlich beurteilen. Ich denke an die Pauschalverbrämer dieses schwierigen Lebensabschnitts.
Eine der Schwierigkeiten, die wir alle erlebt haben und die wir mit am schnellsten vergessen, ist die Unfähigkeit, mit Langeweile umzugehen (- die damalige Unfähigkeit von uns, die wir noch kein Smartphone in unseren Fingerchen hielten).
Besonders übel befiel uns diese zähe, klebrig lastende Schwermut auf langen Bahn- oder (schlimmer noch) Autofahrten.
Die Energie, die sich sonst in unentwegter körperlicher Aktion austoben konnte, war bei hoher Geschwindigkeit ausgebremst. Und auch das Lesen machte mir auf einem muffigen Rücksitz keinen Spaß. Kinder haben wirklich kein Talent zur Langeweile.
Nie werde ich die Verwunderung vergessen, als dieser Schmerz sich verflüchtigte und ich erstmals staunte, wie wenig mir eine lange Fahrt ausgemacht hatte.
Man lernt in der Kindheit auch, was Relativität ist – wenn schon nicht das Wort, so doch das Phänomen.
Ein einzelner schulfreier Tag konnte so kostbar sein, während sich die sechs langen freien Sommerwochen auch schonmal wie eine lange Autofahrt anfühlen konnten. Ein schulfreier Samstag hingegen war etwas Sensationelles, ein Geschenk. Und auch er konnte noch übertroffen werden: von der Vorfreude am vorangehenden Abend. Besonders dann, wenn „Dick und Doof“ im Fernsehen kam. Ich glaube, ich habe mich niemals optimistischer Gefühlt, als an solchen Fernseh-Freitagabenden: Stan und Ollie fahren zum Camping, und ich hatte morgen frei.

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