Epigonale Frauenpower

betr.: 39. Jahrestag der Deutschlandpremiere von „James Bond 007 – In tödlicher Mission“

Mittlerweile gibt es drei weibliche Fragezeichen und einen weiblichen Hulk, es kamen und verschwanden wieder in der Versenkung: weibliche „Ghostbusters“ und eine „Mrs. Columbo“.
Dass sogar James Bond in seinem 25. Kinofilm eine Frau sein wird, hat sich herumgesprochen: Lashana Lynch (die zuletzt mit der weiblichen Variante von „Captain Marvel“* auftrat) wird ausdrücklich kein „Bond Girl“ sein, sondern die „Bond Woman“.
Neben dem Fußball und der bundesdeutschen Politik scheint das Reich der Medien dem alten Traum vom Matriarchat am nächsten gekommen zu sein. Doch der Schein trügt – hier wie dort.
Was fällt uns auf?
Die Konzepte, in denen die genannten Damen auf den Putz hauen, sind sämtlich Geschlechtsumwandlungen zuvor männlicher Stoffe. Im Falle von James Bond dürfen wir sogar von einem abgelegten Mythos reden – mit Blick auf das zähe Vorspiel der aktuellen Produktion, auf die ungemütliche Zukunft von 007 in den Zeiten von #MeToo und unter dem Eindruck, dass der Bond-Bösewicht inzwischen leichter zu besetzen ist als der Protagonist (nämlich einfach wieder mit Christoph Waltz). Dass es nun zunehmend Superheldinnen ohne ein direktes männliches Vorbild gibt – geschenkt. Sie arbeiten mit denselben Mitteln wie ihre Vorläufer, und sie erzielen dieselben Ergebnisse.
Das ist nämlich der Haken an der Sache: die Eroberung der abenteuerlichen Popkultur durch die Frau fällt in eine erzählerische Dürreperiode wie es sie noch nie gegeben hat, seit der Mensch begann, sich Geschichten zu erzählen. Experimente werden nicht nur aus Furcht vor einem Misserfolg unterlassen. Der Entertainment-Branche bleibt schlicht nichts anderes übrig als sich immerfort zu wiederholen.

Immerhin: mit der lesbischen Hackerin Lisbeth Salander ist uns tatsächlich in diesem Jahrhundert eine Heroine geschenkt worden, die weder zu einem früheren Zeitpunkt noch mit einem anderen Geschlecht denkbar wäre. Aber ihr Ritt in den Sonnenuntergang hat längst begonnen. „Millennium“ war ein derartiger Erfolg, dass er bereits in jeder erdenklichen Weise nacherzählt und ausgemolken wurde.  Der Versuch, die Reihe ohne den verstorbenen Autor fortzusetzen, kam über ein, zwei kleine Kulturmeldungen nicht hinaus. Und die internationale Kino-Neufassung des ersten der drei Bücher – mit dem amtierenden 007 Daniel Craig in der Hauptrolle – erlebte keine Fortsetzung. So sehen weder Sieger noch Siegerinnen aus.
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* Näheres unter https://blog.montyarnold.de/2019/02/15/das-grosse-captain-marvel-schmaehbuch/.

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