Die schönsten Filme, die ich kenne (95): „Der Schakal“ (1973)

„Es ist kalt um 6 Uhr 40 in der Frühe eines Pariser Märztages, und es scheint noch kälter zu sein, wenn zu dieser Zeit ein Mann von einem Exekutionskommando füsiliert werden soll.“ Mit diesem Satz beginnt der Roman „The Day Of The Jackal“ und damit die Karriere von Frederick Forsyth als Bestseller-Autor.

1963 will die OAS, eine Terror-Organisation abtrünniger französischer Ex-Offiziere, General de Gaulle für seine Entlassung Algeriens in die Unabhängigkeit bestrafen. Nachdem mehrere Attentate danebengingen, wird für eine halbe Million US-Dollar ein ausländischer Killer gedungen. Die Grande Nation bekommt Wind davon und setzt einen betulich wirkenden Beamten mit guten Referenzen auf die Sache an. Doch der Präsident wünscht nicht, dass die schmachvolle Affäre an die Öffentlichkeit gelangt. So muss Kommissar Lebel ganz im Geheimen operieren, was seine Mission nicht leichter macht.
Dass der für de Gaulle glückliche Ausgang der Geschichte von vorneherein feststeht, gerät bei dem, was nun folgt, glatt in Vergessenheit.

Der eiskalte Edward Fox spielt den namenlosen Killer als weltläufigen Perfektionisten, cool und sexy, als vollendeten Gentleman. Nicht weniger beachtlich ist die Besetzung seines Gegenspielers mit dem vielgestaltigen und immens produktiven Michel Lonsdale.*
Seiner Qualität zum Trotz ist der „Klassiker“ „The Day Of The Jackal“ ein wenig in der Versenkung verschwunden. Vielleicht weil eher schmalen Genres angehört (etwa dem des historischen Polit-Thrillers und dem noch schmaleren des Algerienkrieg-Kinos). Sein Regisseur Fred Zinneman ist die kleinste der großen Regielegenden des alten Hollywood, und auch sonst – um ein nicht nur von Hellmuth Karasek gepflegtes K.O.-Kriterium zuzulassen – „kommen keine Stars drin vor“ (wirklich weit und breit kein einziger).
Das Remake von 1997 ist hochprominent besetzt, und der Killer kassiert 70 Millionen – aber es nützt ihm nichts. Auch „Die Nadel“, ein ähnlich konzipierter Film, in dem Donald Sutherland als mordender Nazi-Spion unterwegs ist, sieht neben Zinnemans „Schakal“ müde und hausbacken aus.
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* Näheres zu ihm unter  https://blog.montyarnold.de/2015/05/24/klamotte-kolportage-thriller-literaturverflimung-ein-mann-fuer-alle-faelle/

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