Die Marvels wie sie wirklich waren: Fantastic Four / Die Fantastischen Vier (4)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier wiederzugeben. 

Die Fantastischen Vier auf dem deutschen Comicmarkt
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/ (Fortsetzung vom 12.8.2019)

Teil III A
Fantastische Kürzungen, Formate und die Frage nach der inneren Kontinuität (1)
Eine fantastische Chronologie in 47 Bänden
(Condor 1979-1996)

Nachdem der Williams-Verlag sein Marvelprogramm hatte auslaufen lassen, sicherte sich Herausgeber und Chef des Condor Verlags Wolfgang M. Biehler die deutschen Abdruckrechte. Zwar erschienen die beliebten Helden nun wieder regelmäßig, doch brachte der Verlagswechsel einiges an Umstellungen, welche sich für die Fans als äußerst gewöhnungsbedürftig darstellten. Willlliams hatte nach etwaigen Anfangsschwierigkeiten seine Leser regelrecht verwöhnt, denn die deutschen Marvels waren spätestens ab Mitte 1975 schöner als die amerikanischen Originale. Ordentliche, sinngemäße Übersetzung, sauberes Handlettering und Farbgebung, Redaktionsteil und Leserbriefseiten und in der Endphase 1978 – 1979 sogar Glanzpapier. All das sollte sich mit dem Beginn der Marvel-Serien bei Condor schlagartig ändern.

FV-TB Nr. 2FV-Taschenbuch Nr. 2 mit der Titelbildillustration von US-„Fantasic Four“ # 51. Die dazugehörende Story erschien bei Condor erst Jahre später in FV Tb Nr. 9.

Komprimiert auf Taschenbuchformat erschienen in den ersten zwei Bänden zunächst Reprints alter Williams-Geschichten, deren formatbedingte Texte man ebenfalls nur als „komprimiert“ bezeichnen kann. Auch die Kolorierung bestand hauptsächlich aus den Grundfarben, sowie Grün- und Brauntönen. Immerhin gab sich Hans-Jörg Frisch bei der Übersetzung Mühe, auch wenn die Sprechblasen zu klein waren, um das Original korrekt wiederzugeben. Bereits in „Die Fantastischen Vier Comic-Taschenbuch“ Nr. 1 zeigten sich Dinge, die bei Condor leider Gottes Schule machen sollten. Weder Inhaltsverzeichnis noch Impressumangaben stimmten mit dem tatsächlichen Inhalt überein. Zur Erläuterung des Sachverhalts eine kurze Aufstellung.

Impressumsangaben Condor:
FF # 1, 3, 5, 7, 27 + X-Men 1, 2
Tatsächlicher Inhalt:
FF # 2, 3, 4, 5, 7 + X-Men 1, 2 + FF # 27
Inhaltsverzeichnis Condor (nach dt. Storytitel):
FF # 2, 2 (2.Teil), 3, 3 (3.Teil), 3 (5.Teil), 4, 5, X-Men 2, Sachartikel

Solche Angaben trugen eher zur Verwirrung denn zur Information bei und waren an der Tagesordnung. Das Inhaltsverzeichnis lautete zwar „Aus dem Inhalt“, aber es handelte sich um eine willkürliche Auswahl. Übrige Seiten wurden mit Sachartikeln und Eigenwerbung gefüllt. Dennoch gab es auch Highlights in diesem ersten von 47 Taschenbüchern. FF # 5 war die deutsche Erstveröffentlichung einer lustigen Geschichte, in der Dr. Doom die FV per Zeitmaschine in die Vergangenheit schickt. Das Ding mit falschem Bart und Augenklappe auf einem Piratenschiff – einfach klasse! Schade, dass es davon keine Williams-Version gab. Lediglich das Titelbild wurde als Mini-Poster auf dem Innenumschlag von Williams‘ FV Nr. 62 vorgestellt, allerdings ohne inhaltlichen Zusammenhang. Die Williams-Leser hatten die Lücke allerdings bemerkt, da auf die Geschehnisse in späteren FV-Heften bezug genommen wurde, weshalb sich einige beschwerten. Williams veröffentlichte im Gegensatz zu Condor auch kritische und unangenehme Leserbriefe, so dass eine dieser Beschwerden zum Abdruck kam. Weitere Erstveröffentlichungen waren die kompletten Seiten 18 und 19 aus FF # 7, die Williams 1974 durch Ummontierungen auf eine Seite zusammengekürzt hatte. Ebenso fehlte beim Erstabdruck Seite 12 aus FF # 27, die Condor nun präsentieren konnte. FF # 27 musste auch für das Taschenbuch-Titelbild herhalten.

Nun ja, Condor brachte viel Marvel für wenig Geld, dafür zum Teil in grauslichen Farben, Maschinenlettering und Artikeln, die letzten Endes auch nur schlecht getarnte Werbung für die Produkte dieses Verlags waren.
Das zweite Taschenbuch war nicht viel besser. Nun stimmten zwar die Angaben, doch bezeichnete man die Reprint-Reihe „Marvel Collector’s Item Classics“ (daher stammen zum Teil auch die falschen Angaben in Tb Nr. 1) als „Marvel Collector“ und X-Men als „X-Man“. Die Reprintangabe zum zweiten Teil aus FF # 11 fehlt. Außerdem wurde bei der Story mit dem Impossible Man Seite 7 zugunsten einer Condor-Verlagswerbung entfernt.

Es folgten die Condor Comic-Alben, bei denen die Zeichnungen auf Din A4-Format hochgezogen wurden. Und auch in der ersten Nummer dieser Reihe erschienen zwei alte Storys vom Team Stan Lee/Jack Kirby. Zwar ungekürzt, doch mit noch schlimmerer Farbgebung und im Impressum als FF # 14 und 24 angepriesen, obwohl zuerst FF # 32 und danach FF # 20 folgte. Da mit den frühen FV-Stories, noch dazu in solcher Qualität, kein Hund hinterm Ofen hervorzulocken war, setzte Condor nach diesen Veröffentlichungen mit Material aus den frühen 60er Jahren nur noch auf drei Worte, die einem von nun an mit jeder Condor-Ausgabe ins Gesicht geschleudert wurden: „NEU! Deutsche Erbstveröffentlichung!“. Ein vorläufig letztes FV-Reprint gab es als im Impressum ungenannte Zweitstory von FV Album Nr. 3. Diese Geschichte aus FF # 21 hatte Williams ebenfalls ausgelassen, da unter der Maske des Hate-Mongers kein Geringerer als Adolf Hitler steckte. Condor brachte zwar eine auf 18 S. zusammengestutzte Version, die Demaskierung am Schluss blieb jedoch erhalten. Sei noch erwähnt, dass es einen Indizierungsantrag für FV Album Nr. 3 gab. Allerdings nicht wegen der Zweitstory, sondern wegen der abgebildeten Apokalyptischen Reiter aus „Giant Size Fantastic Four“ # 3 (vom November 1974). Mit Hilfe eines von Hajo F. Breuer erstellten Gutachtens gelang es Biehlers Anwälten, eine Indizierung zu verhindern. Laut Breuer meinten die Zuständigen von Marvel USA, dass eine sittliche Gefährdung vollkommen unwahrscheinlich sei, schließlich wären doch weder Blut noch Eingeweide zu sehen.

Hate-MongerFantastic Four # 21 mit dem Hate-Monger, der sich am Ende als Adolf Hitler entpuppt, möglicherweise aber auch nur ein Double gewesen sein könnte.

Forts. folgt

 

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