Nightmare On Elmore’s Street

betr.: 6. Todestag von Elmore Leonard

Unter den Filmen von Quentin Tarantino hat sich „Jackie Brown“ bis heute als der heiterste, der unbeschwerteste erwiesen. Ohne dass man mal als Fan des Regisseurs auf Irgendetwas verzichten müsste, was seinen Stil ausmacht, spürt man hier ausnahmsweise so etwas wie die Liebe zur Kreatur. Und diese Liebe bleibt – mindestens in bezug auf zwei wichtige Charaktere – von allem Sarkasmus ungetrübt.
Die literarische Vorlage für diesen Film hat Elmore Leonard geliefert, von dem Tarantino viel gelernt haben will und der in puncto Popularität zur zweiten Garde der großen US-Kriminalschriftsteller gehört. Sein Name ist uns weit weniger vertraut als die vom Hammett und Chandler, und doch sind sein Fleiß und Erfolg beachtlich.

In den 50er Jahren arbeitete Leonard für eine Werbeagentur in Detroit, um seine Familie nicht nervös zu machen. Die Liebe zum Schreiben reagierte er noch mit Western ab (einem Genre, das er zeitlebens liebte), die als Kurzgeschichten in den einschlägigen Pulp-Magazinen herauskamen. Hierin kündigt sich das Reich seiner späteren Erfolge bereits an, denn was ist der hartgesottene Detektiv der Großstadt anderes als ein Mutant des Westernhelden?
Aus diesen Zeiten stammt Elmores Schilderung seines typischen Tagesablaufs: „Ich machte es mir zur Regel, dass ich etwas auf dem Papier haben musste, bevor ich das Wasser für den Kaffee aufsetzen würde.“
Sein erster Kriminalroman hieß Ende der 60er „The Big Bounce“.

Hollywood begann, seine Geschichten zu verfilmen, und Leonard schrieb ihm auch einige Drehbücher ohne den Umweg über den Buchmarkt – zumal man da gar nicht schlecht verdiente. Sein „3:10 To Yuma“ – „Zähl bis drei und bete“, von dem inzwischen auch ein Remake existiert – zählt nicht zu den Westernklassikern, wird aber von den Fans des Genres zu dessen Spitzenleistungen gerechnet. Die pragmatische Verbindung zweier Typen, die eigentlich wie geschaffen sind, erbitterte Gegner zu sein, ist eines der Lieblingsmotive des Autors.
Charles Bronson, Clint Eastwood und George Clooney spielten solche Figuren. Mit „Get Shorty“ sollte Elmore Leonard richtig groß rauskommen. Star der Verfilmung John Travolta, der soeben von Tarantino (wieder) zum Star gemacht worden war.

Was uns der Meister neben all den Thrillern noch hinterlassen hat, sind seine zehn Gebote, die er 2001 der „New York Times“ verriet. Da heißt es zunächst, man solle niemals mit dem Wetter anfangen. Dass man kein Buch mit einem Prolog beginnen solle, finde ich etwas irritierend (da sie mir doch in Krimis immer besonders viel Freude machen). Aber an einer Regel kommt man nicht vorbei: „Versuch, den Teil wegzulassen, den die Leser gewöhnlich überspringen!“

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