Pferde stehlen mit Friz Freleng

betr.: 114. Geburtstag von (Isadore) Friz Freleng

Als sich 1988 im Film „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ Donald und Daffy Duck ein Pianisten-Duell lieferten, war das eine kleine Sensation: die beiden Enten-Stars von Warner und Disney in einer Szene, und das auch noch in einem offiziellen Kinofilm! Jüngere Leser muss man dieser Stelle darauf hinweisen, dass damals längst noch nicht jeder Entertainment-Betrieb zu Disney gehörte …

Eine kleinere, private Variante dieser Irritation bereitete mir Daffy Duck, als ich kürzlich ein paar Stunden Zeichentrick von einem veralteten Medium auf ein anderes kopierte – von VHS auf DVD – was bekanntlich in Echtzeit geschehen muss. Es ging um mehrere Cassetten mit Folgen der ZDF-Serie „Mein Name ist Hase“, in der die Kino-Cartoons der Warner-Helden (ausgenommen Schweinchen Dick) verarbeitet waren. Eine Episode handelte davon, dass Daffy Duck sich einer Gruppe Zugvögel anschließen möchte, und die Animation war so primitiv, dass ich davon ausgehen musste, hier ein ausdrückliches Spätwerk vor mir zu haben. – Irgendwann entdeckt der faule Enterich ein Pferd auf einer Weide und kommt auf die Idee, doch lieber zu reiten statt selber zu fliegen. Er denkt, er muss es nur noch auf den Rücken des störrischen Tieres schaffen, dann würde es ihm gehorchen. Ersteres ist gar nicht so einfach und zweiteres ein Irrtum.
Dieser Plot kam mir bekannt vor. Ein Abenteuer von Paulchen Panther handelt genau vom gleichen Problem, und das Pferd in „Pinto Pink“ (1967) sieht Daffys Gaul verdächtig ähnlich. (Dieser Film ist meiner Generation ganz besonders gut in Erinnerung, da er gleich zu Beginn im Vorspann der Trickserie „Der rosarote Panther“ zu sehen war.)
Mich beschlich ein böser Verdacht: sollte der große Friz Freleng – hochverdienstvolle Kraft im Zeichentrick-Departement der Warner Bros. – in seiner Spätphase so plump bei sich selbst geklaut haben?
Vielleicht nicht höchstpersönlich. Wie sich herausstellte, wurde der Film „Daffy Flies North“ 1980 von der „Members of the Screen Cartoonists Local 839“ für ein Osterspecial hergestellt. Das war „in their very twilight“, kurz bevor Friz Freleng und David H. DePatie ihr Studio an Marvel Comics verkauften.

Aber im Kino geht ja niemand so ganz. Vor wenigen Tagen bin ich dem Meister wieder einmal begegnet. In einem Programmkino sah ich „With Six You Get Eggroll“ (1968), den letzten Film mit Doris Day. Er wird von einem der Zeichentrickvorspänne eröffnet, die seit der Peter-Sellers-Komödie „The Pink Panther“ in Hollywood so beliebt waren. Da Doris Day hier als Mutter einer Patchwork-Familie zu sehen ist, ist er im Stil von Kinderzeichnungen gehalten. Es war das Jahr, in dem der rosarote Panther als TV-Held in Serie ging.

000 With Six You Get Eggroll_FrelengHier sind die Tiere einfach nur Haustiere: der Vorspann für „Der Mann in Mammis Bett“ von DePatie-Freleng.

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