Father Of A Preacher Man

betr.: 89. Geburtstag von Horace Silver

Entgegen seiner Bezeichnung wird der Hard Bop als eine sinnliche Mischung aus Jazz, Gospel und Rhythm & Blues beschrieben, und er soll Mitte der 50er Jahre an der Ostküste entwickelt worden sein, um den West Coast Jazz aufzu… naja … aufzujazzen. Aber diese Ost-West-Problematik war ohnehin – wie der Jazz-Papst Joachim Ernst Berendt kritisch feststellte – nur eine Etikettierung für den Plattenmarkt. Der Pianist Horace Silver jedenfalls war ein Pionier dieses Hard Bop. Er fand mit seinem Quintett aus Tenorsaxophon, Trompete und Rhythmusgruppe ein Jazzcombo-Modell, das sich auch im Free Jazz bewähren sollte.
Silver setzte mit einigen anderen eine Spielweise durch, die (so Berendt) „‘funky‘ genannt wird: langsam bis mittellangsam, hart auf dem ‚beat‘ gespielter Blues, mit all dem schweren ‚feeling‘ und dem Ausdruck, die zum Blues gehören“.

Horace Silver leitete Gruppen – etwa die „Jazz Messengers“ zusammen mit Art Blakely -, in denen später einflussreiche Instrumentalisten ihre Studienjahre verbrachten, und erweiterte das Great American Songbook um eine Reihe von Standards*.
Aber woher kam wiederum Horace Silver? Der in Norwalk, Connecticut geborene Musiker – seine Wurzeln hat er auf den Kapverdischen Inseln – wurde 1950 von Stan Getz in seine Band geholt und ging wenig später mit Lester Young und Coleman Hawkins auf Tournee. Bald darauf war er an der Seite von Miles Davis, als dieser sich mit „Walkin‘“, „Blue Haze“ und „Bag’s Groove“ im Plattenstudio neu erfand. Da begannen sich die Grenzen bereits zu verwischen: holte Silver die Großen des Jazz in seine Band, oder machten sie es mit ihm?

Sein Stil war nicht virtuos oder auftrumpfend, sondern arbeitete eher mit der Reduktion der Mittel und war um Atmosphäre bemüht. Als wichtiger Vertreter der frühen Jazzkomposition (was freilich ein Paradoxon ist, da der Jazz ja von der Improvisation lebt) gab er dem Bop besondere Impulse. Er kombinierte Song- und Bluesform, indem er zwei 12-taktige Bluesphrasen verwendete, gefolgt vom 8-taktigen Mittelteil einer Songform und der Wiederholung der Bluesphrase. Oder er verband ein 15-taktiges Hauptthema mit einem 16-taktigen Mittelteil und anderes mehr: „Wenn es auch nicht gleichmäßig ist, so klingt es doch gleichmäßig!“

2005 erhielt Horace Silver den Ehrenpreis der „National Academy Of Recording Arts And Sciences“.

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* … wie „The Preacher“. Siehe dazu https://blog.montyarnold.de/2019/06/25/8-billy-may-swing-goes-on/

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