Die Marvels wie sie wirklich waren: X-Men / Das X-Team (1)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier leicht aktualisiert wiederzugeben. 

Die X-Men
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/ 

Aus heutiger Sicht kam mit den X-Men alles so richtig in Fahrt – jedenfalls der Erfolg im Kino, der inzwischen auf Umwegen zum Marvel Cinematic Universe geführt hat. Bereits in gedruckter Form waren „die seltsamsten Superhelden der Welt“ zeitweise die erfolgreichste Serie des Verlags. Doch das gelang erst nach Startschwierigkeiten und einer Generalüberholung.

X-Men – X-traordinäre Mutanten mit x-tremen X-tras

X-Team 2Das Original-Coverartwork zu „X-Men“ # 1 brachte Williams zur Fortsetzung in „Hulk“ Nr. 2. Man beachte die Preisangabe von 1,20 DM mitten im Heft, die sonst weggelassen wurde (vgl. Hulk Nr. 2, Seite 25).

Nachdem Stan Lee seine bisherigen Superhelden fast ausnahmslos irgendwelchen Strahlen ausgesetzt hatte, um ihnen Superkräfte zu verschaffen, überlegte er, wie er eine übermenschliche Heldentruppe auf andere Art zusammenstellen konnte. Seine Lösung war simpel, die neuen Helden waren schon so auf die Welt gekommen: Mutanten! In einem Interview („Stan Lee’s Mutants, Monsters & Marvels“, 2002) meinte der Autor: „Wir hatten die unterschiedlichsten Arten von Strahlung: die Fantastischen Vier wurden kosmischen Strahlen ausgesetzt, Spider-Man biss eine radioaktive Spinne und der Hulk entstand, als Dr. Bruce Banner eine Ladung Gammastrahlen abbekam. Der Witz an der Sache ist, dass ich nicht den blassesten Schimmer von Wissenschaft hatte, geschweige denn von den Auswirkungen irgendwelcher Strahlung. Ich schätze, ich bin der größte Blender aller Zeiten!“.

Eigentlich sollte das Team „The Mutants“ heißen, was von Verlagsseite jedoch mit der Begründung abgelehnt wurde, dass niemand wisse, was ein Mutant sei und was man sich darunter vorzustellen hatte. Aus diesem Grund änderte Stan Lee den Namen in X-Men, nach ihrem Lehrmeister Professor Xavier. Aber auch wegen ihrer zusätzlichen Eigenschaften, den sogenannten X-tras. Zusammen mit seinem Starzeichner Jack Kirby machte Lee sich daran, die FV neu zu erfinden, ohne sich zu wiederholen. Am auffälligsten ist dies bei den Charakteren Fackel und Iceman, die gegensätzlicher nicht sein konnten. Beast war aufgrund seiner Stärke am ehesten mit dem Ding zu vergleichen und die telekinetischen Fähigkeit von Marvel Girl ähneln denen der Unsichtbaren. Auch die Führungsqualitäten von Prof. Xavier und Reed Richards sind analog zueinander, selbst wenn deren Kräfte vollkommen differieren. Angels Vorbild hingegen, war ein Marvel-Charakter aus dem Golden Age, welcher bereits 1939 in „Marvel Comics  # 1“ auftauchte. Cyclops vervollständigte die Gruppe und war der einzige vollkommen neu erfundene X-Man.

Ebenfalls neu: Die X-Men waren Teenager, geführt von ihrem Lehrer, der eine Schule für Menschen mit außergewöhnlichen Begabungen leitete. Gemeinsam kämpften sie, um die Welt vor anderen bösen Mutanten wie dem üblen Magneto zu schützen. Ständig erfüllt von der Angst, geoutet und entdeckt zu werden, da die Menschen alles ihnen Unbekannte zunächst einmal fürchten. Die fünf Schüler, Scott „Cyclops“ Summers, Jean „Marvel Girl“ Grey, Hank „Beast“ McCoy, Warren „Angel“ Worthington III und Bobby „Iceman“ Drake wurden von Professor X telepatisch instruiert. Dies zeigt sich bereits auf der Eröffnungsseite von X-Men # 1 vom September 1963 bei der berühmten Trainingsraumszene. Jean Grey alias Marvel Girl stößt erst einige Seiten später dazu. Aufgrund einer weltweiten Bedrohung kommt es unweigerlich zum Kampf gegen den gefährlichsten Gegner der X-Men: Magneto! Dieser will mit Hilfe seiner Magnetkraft und dem Einsatz der Bruderschaft der „Evil Mutants“ (bösen Mutanten), die Weltherrschaft an sich reißen. Den X-Men gelingt es, diese Pläne zu vereiteln, um am Schluss der Story (zunächst) als Helden dazustehen.

Im Verlauf der Serie nimmt das tragische Moment – die Angst entdeckt und verfolgt zu werden – zu und die Qualität von Story und Zeichnungen durch den Wegfall von Lee und Kirby, die sich aufgrund allgemeiner Arbeitsüberlastung ihren anderen Projekten widmen, ab. Nach elf Ausgaben gestaltete Jack Kirby nur noch Titelbilder und Layouts. Mit einer Übergangsnummer von Alex Toth zeichneten nacheinander Werner Roth unter dem Pseudonym Jay Gavin und später Don Heck hauptverantwortlich für die X-Men. Ab # 20 stammten die Texte von Roy Thomas, bereits zwei Ausgaben zuvor hatte Jack Kirby die Reihe komplett abgegeben. Obwohl ab „X-Men“ # 56 Innovation und Dynamik unter Neal Adams‘ Federführung Einzug hielten, blieben die Verkaufszahlen ernüchternd, so dass Marvel mit # 67 auf zweimonatliches Erscheinen umstellte und gleichzeitig mit Reprints der Ausgaben # 12-45 startete. Ein Erfolg stellte sich erst mit einem Team neuer und internationaler Mutanten, sowie neuen Autoren und Zeichnern ab „Giant Size X-Men“ # 1 ein. Ungebremst brachten es die X-Men in den Folgejahren zum Marktführer unter den amerikanischen Comic-Serien und schließlich zu erfolgreichen Kinofilmen in denen Prof. Xavier von Sir Patrick Stewart und James MacAvoy sowie Magneto von Sir Ian McKellen verkörpert werden sollten.

Forts. folgt

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