Die Marvels wie sie wirklich waren: X-Men / Das X-Team (2)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier leicht aktualisiert wiederzugeben. 

Die X-Men
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/ (Fortsetzung vom 17.9.2019)

„Ein X für ein U“ – Von X-Männern zu X-Menschen

X-Men 56_rejectedVon Marvel USA abgelehntes Cover für „X-Men“ # 56, gezeichnet von Neal Adams. Die Verlagsleitung war der Meinung, der Schriftzug wäre zu sehr verfremdet.

Die deutsche Chronologie der X-Men verlief mehr als unglücklich, wenn auch nicht ganz so extrem wie bei den FV, Sub-Mariner oder Iron Man. Angefangen mit der 19. US-Ausgabe in Hit Comics Nr. 24 – immerhin eine in sich abgeschlossene Episode um Calvin Rankin alias Mimic, der die Stärken und Kräfte derjenigen annimmt, die sich in seiner Nähe aufhalten – hatten die „X-Männer“, wie sie damals genannt wurden (an Marvel Girl oder die Frauenquote hatte man Mitte der 60er Jahre wohl noch nicht gedacht), einen guten Start. Die angekündigte Fortsetzung erfolgte allerdings erst im letzten X-Men-Heft des bsv, diesmal als „X-Menschen“, in Hit Comics Nr. 220. Im Gegensatz zu den „Tales To Astonish“-Geschichten mit dem Hulk und dem Sub-Mariner gab es bei den X-Men keine Wiederholungen, und ähnlich wie bei Spider-Man und den FV, wurden im Nachhinein zuvor ausgelassene Originalhefte abgedruckt. Ob nun Zufall oder Absicht, jedenfalls reichte man die US # 17 und 18 als Hit Comics Nr. 218 und 219 nach, während die in schwarzweiß erschienene # 19 (Hit Comics Nr. 24) übersprungen wurde und schließlich X-Men # 20 folgte.

Die Übersetzung von Hit Comics Nr. 24 jedenfalls war recht gut und sogar „Nuff said!“ wurde einigermaßen korrekt mit „Das sagt genug!“ eingedeutscht. In Hit Comics Nr. 7 lautete dieselbe Phrase noch „…und das sagte Nuff!“ (wie inzwischen hinlänglich bekannt). Dem Aussehen nach wurden die Deutschen Texte vermutlich direkt per mechanischer Schreibmaschine in die Vorlagen „gesetzt“. Zumindest scheinen die Buchstaben Marke „Courier“ zu sein. Der bsv ließ eine Lücke von sechs Originalfolgen, um mit X-Men # 31 bzw. Hit Comics Nr. 31 fortzufahren. Die X-Männer stürzten sich in den Kampf gegen El Tigre, der sich – nachdem er ein antikes Maya-Amulett gestohlen und zusammengesetzt hatte, in den Gott Kukulcan verwandelte. Dies erfuhr der Leser aus einem ausführlichen Einleitungstext von Roy Thomas. Somit war auch der Wiedereinstieg direkt in der Mitte des Zweiteilers kein allzu großes Problem. Im Anschluss daran folgte ein nahtloser Übergang zu „X-Men“ # 27 in Hit Comics Nr. 39 mit jeder Menge bekannter Gaststars: Mimic, Puppet Master (mit einem Hinweis auf die FV), Quicksilver und Wanda die „Rote Hexe“ und nicht zu vergessen, der obligatorische Spider-Man-Cameo (kurzer Gastauftritt). Die kontinuierliche Fortsetzung hielt sich bis zum Ende der schwarzweißen Hit-Comics mit Nr. 146 (X-Men # 50) mit nur einer ausgelassenen Episode zwischen Hit Comics Nr. 95 und 103 (US # 40). Die während dieser Zeit erschienenen fünfseitigen Zweitstorys brachte der Condor Verlag zum Teil erneut (X-Men # 47 – 48 in Spinne Nr. 34- 35) und setzte mit der Erstveröffentlichung von „X-Men“ # 53 sogar noch eins drauf.

Eine wirklich große Lücke klaffte zwischen den s/w und den farbigen Hit-Comics der X-Men. Nach der # 50 folgten # 58 und 59, um danach mit X-Men # 17, 18 und 20 abzuschließen. War die Chronologie der bisherigen Ausgaben nahezu beispielhaft, zog der bsv hier noch einmal alle Register. Es ist anzunehmen, dass bei einer Fortführung der 52-seitigen Hit Comics die letzten Ausgaben mit den älteren Folgen als Zweitstorys erschienen wären, ähnlich wie bei der Spinne und den FV. Immerhin konnten die Lücken zwischen den Williams-Veröffentlichungen der X-Men in „Hulk“ Nr. 1 – 32 und den originalchronologisch daran anschließenden bsv-Ausgaben, ebenso wie die zuvor auf Deutsch fehlenden X-Men # 21-25 durch Marvel Deutschlands bzw. Paninis Reihe „Marvel Klassik“ geschlossen werden.

Die Ausgaben der nach „Giant-Size X-Men“ # 1 in „Uncanny X-Men“ (offiziell erst mit dem 114. Cover bzw. 141. Impressum) umbenannten Helden packte Panini in die aufwändige Schuber-Reihe „X-Men Archiv“. Diese umfasst die Ausgaben # 94-167 in Heftform in fünf Einzelschubern. Hauptverantwortliche Schöpfer der Originalhefte waren Chris Claremont, Dave Cockrum und John Byrne. Ein Genuss vor allem für die Fans, die sich jahrelang mit demselben Stoff im Condor Taschenbuchformat begnügen mussten.

X-Men – Verlorene Jahre

X-Männer SpecialsZwei fein ausgewählte Stories wurden im bsv-Look (incl. schräger Titelübersetzung) für besondere Anlässe neu aufgelegt: Die Begegnung mit dem Frankenstein-Monster zur „Comic Action 2008“ und das Team-Up mit der Spinne  als „Messe-Exklusivtitel“ im Oktober 2015. Das Monster entpuppt sich als Androide und hat nichts mit der betreffenden Marvel-Serie zu tun – „The Frankenstein Monster“ erschien erst knapp fünf  Jahre später.

In „Comic Book Marketplace“ #64 vom November 1998 verfasste Rich Donnely nicht nur einen Bericht über die Zeit zwischen März 1970 und August 1975 (X-Men # 66 – 94), sondern erstellte auch eine genaue Zeitlinie mit Auflistung der diversen US-Hefte in chronologischer Reihenfolge. Dabei kommt er immerhin auf zweiundzwanzig Episoden und Gastauftritte mit X-Men-Charakteren innerhalb, sowie zehn zusätzliche Soloauftritte außerhalb der Continuity.

Über ein Jahr ehe Beast seine eigene Heftreihe (Amazing Adventures # 1 – 17) bekam, jagte Iceman unserem allseits beliebten Wandkrabbler hinterher (ASM # 92 bzw. Spinne Williams Nr. 93). Die Story funktioniert nach dem üblichen Superhelden-Raster. Ein Missverständnis führt zum Kampf der beiden gegeneinander. Im Selbstgespräch merkt Iceman an, dass bei den X-Men schon zu lange nichts los ist. Dies erinnert an die frühen Kämpfe und Team-Ups zwischen Spider-Man und der Menschlichen Fackel.

Von März 1972 bis März 1973 sollte Hank McCoy alias Beast seine Solo-Abenteuer in „Amazing Adventures“ erleben. Im Zuge der Comic Code-Lockerung Anfang der Siebziger Jahre und der damit aufkeimenden Welle von Monster-, Vampir- und Werwolfcharakteren, ließ man Beasts Alter Ego gentechnische Selbstexperimente vollführen. Diese machten den Mutanten zu einem „richtigen“ Biest, zuerst mit grauem und später blauem Fell. Mehr Informationen liefern die Anmerkungen zur „X-MEN – The Lost Years“-Timeline, die hier als PDF folgt.

Nuff009_X-Men_Lost Years_Checklist
Forts. folgt

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