Trost für die Nicht-Perfekten

betr.: Schönheit

Die Nr. 8 des „S-Magazin“* ist dem Thema „Body Positivity“ gewidmet und rechtfertigt das gleich zu Beginn des Editorials mit dem Hinweis, Schönheit zu definieren sei altmodisch, denn sie bilde und wandele sich. Die französische Künstlerin, die da zitiert wird, geht sich wenige Zeilen später gleich selber in die Falle, indem sie erklärt, mit ihrer Arbeit „das Nicht-Perfekte“ feiern zu wollen – was schlechterdings nur geht, nachdem man es zuvor vom „Perfekten“ unterschieden hat. Diesem aufrichtig inkonsequenten Opening folgt das gesamte Magazin.

Macht euch nichts vor Leute: eure ästhetischen Vorlieben sind noch schwerer zu ändern als euer tatsächliches Aussehen – denn da kann man sich ja zumindest noch „optimieren“. Wem das zu mühsam ist, dem sei die Lektüre solch gutgemeinter Heiterkeitspornografie empfohlen wie die, dass Frauen heute lieber Influencerinnen als Männern gefallen wollen (Seite 4), dass die Menstruation ihr Stigma verliere (Seite 24), dass laut einer Studie des Homeshopping-Kanals QVC  die Generation Z (die heute unter 20jährigen) zum Verzicht auf Schönheitsoperationen tendiere (Seite 12) und dass, wer sich trotz aller Dehnbarkeit eines veralteten Schönheitsbegriffs dennoch fit halten will, das ab November auf einem Karbonstahlrad mit Bildschirm und Kopfhörer tun kann (Schleichwerbung auf Seite 6).
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* „Das Stilmagazin vom SPIEGEL“

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