Die Marvels wie sie wirklich waren: Sub-Mariner (2)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier leicht aktualisiert wiederzugeben. 

Das Crossover-Problem
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/  (Fortsetzung vom 16.10.2019)

Die schlechte Stimmung unseres Helden hat auch damit zu tun, wie übel er gekürzt wurde und wie schwer es seine deutschen Fans hatten, seine Abenteuer chronologisch zu lesen. (TTA # 81)

Die Williams-Marvels gehören ohne Frage zu den besten Comics, die die Welt je gesehen hat. Dennoch brachte die chronologische deutschsprachige Veröffentlichung ab den US-Erstausgaben immer wieder Probleme mit sich. Der reale, zeitliche Unterschied war einfach zu groß. Dadurch wurde bei Williams  oftmals in einer Serie auf Ereignisse hingewiesen, welche in der betreffenden anderen Reihe noch gar nicht stattgefunden hatten. Eines der besten und krassesten Beispiele ist die Verknüpfung von „Captain Marvel“ (USA ab 1968) und „Die Fantastischen Vier“ (USA ab 1961). Beide Serien starteten bei Williams im Januar 1974, obwohl die Erlebnisse des „Captain Marvel“  aus „Rächer“ Nr. 1 erst nach FV Nr. 60-61 (US-FF # 64 – 65) spielen. Die letztgenannten Hefte erschienen in Deutschland aber erst im Juni 1976. Hinzu kam noch das Platzproblem ab der sechsten Marvelproduktion im Juni 1974. Seit diesem Datum besaßen die Hefte vier Seiten weniger Umfang, was diverse Kürzungen zur Folge hatte.

„Tales Of Suspense“ # 79 vom Juli 1966 mit dem Beginn des Kampfs Iron Man gegen Sub-Mariner (rechts).

Ein Dorn im Auge jedes Williams-Fans bzw. –Lesers muss deshalb auch die deutsche Fassung von „Tales To Astonish“ # 82 sein. Während der Hulk ungekürzt herumhüpfen durfte, beschnitt man Prinz Namor um ein Drittel seines Abenteuers. Da musste der Monarch ja wütend werden. Als er im Mai 1974 am Ende von „Spinne“ Nr. 10 (TTA# 81) in Richtung Oberfläche gleitet, landet er mitten in der Zweitgeschichte aus Rächer Nr. 88 (Tales Of Suspense # 79) vom Juni 1978. Ein wahres Desaster, gemäß dem Originaltitel der Episode. Der Kampf der beiden Superhelden Iron Man und Namor zieht sich im Original über drei Hefte und endet in TTA # 82. Der bsv brachte seinerzeit zwar auch ToS # 79, jedoch als Fortsetzungsgeschichte über drei Hit Comics verteilt in den Nummern 29, 33 und 37 (1967-1968). Zu allem Überfluss erschien der dritte Teil als „Prinz Namor – Bis  zum Tode“ statt „Eisenmann – Verderben“, und jeweils eine halbe Seite fiel den beiden Einleitungstexten in die Fortsetzungen zum Opfer. Als Namor in der Tür steht, bricht der bsv ab. TTA # 82 wiederum entfiel, als der bsv kurzzeitig aus dem europäischen Hit Comics-Druckverbund ausscherte. Eigentlich hätte diese Episode zwischen FV Nr. 243 und 244 gehört (vergleiche die gleichzeitige Lücke bei den Spinne-Heften). In Holland beispielsweise erschien die Story ungekürzt in „Vier Verdedigers“ Nr. 66. Wie immer wurden Namors Beine hellgrün und sein Höschen violett eingefärbt. Die Rüstung des Eisernen versahen die Koloristen dagegen mit einer durchaus gewöhnungsbedürftigen dunkelgrünen Patina.

Was der Williams Verlag in „Spinne“ Nr. 11 übrig ließ, waren ganze acht der ursprünglichen zwölf Seiten aus TTA # 82. Um die Leserschaft nicht zu sehr zu verwirren, mussten Iron Mans Gedanken und Worte auf der Eröffnungsseite einem eigens verfassten Einleitungstext weichen. Die fehlenden drei Seiten Kampfhandlung hätten nicht nur Marvel-Action präsentiert, sondern auch Wortgefechte, Namors Intelligenz, den Einsatz einer ungetesteten Waffe aus den Stark Labors, und einen Eisernen, dessen Reserven am Ende sind und der seine Transistoren nur durch einen Trick wieder aufladen kann. Außerdem endet das Abenteuer bei Williams abrupt damit, dass Namor ins Meer abtaucht. In Wirklichkeit (bzw. im Original) entfernt sich auch Iron Man vom Ort der Handlung und sein Alter Ego Tony Stark sorgt für eine Überleitung nach ToS # 81 (Rächer Nr. 90).

Zwar waren Farben und Papier der sechsten Williams-Produktion von deutlich besserer Qualität als bei den Vorgängern, doch ließ vor allem die Schrift zu wünschen übrig. Die handgeletterte Eröffnungsseite wirkt ungeübt, zumindest in den Lauf- und Sprechblasentexten. Bei den restlichen Seiten wurden nahezu sämtliche Sprechblasen und Textkästen der kursiv gedruckten Großschrift angepasst (siehe Abbildung oben).

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