Pressen! Pressen!

betr.: Start von „Pennyworth“ bei Starzplay / Amazon Prime

Neulich fragte mich ein junger Kollege, warum DC denn so viel schlechter sei als Marvel. Das liegt zuallererst an der Humorlosigkeit der DC-Helden – kommt sie nun so flockig daher wie bei Superman oder so gramvoll wie bei Batman. Gags – oder sagen wir besser: Jokes – müssen eins ums andere Mal organisiert und von komischen Nebenrollen oder sogar von den Schurken geliefert werden. Bei Marvel ist die Selbstironie schon im Konzept angelegt und führt zu regelmäßiger Pathosbrechung. Nicht die Figuren sorgen für die Witze, es ist die Erzählung selbst. Marvel und DC haben das gleiche Vorbild, aber Stan Lee hat die besseren Lehren daraus gezogen.*

Dieser Qualitätsunterschied zeigt sich etwas subtiler auch auf der erzählerischen Ebene. Während wir bei Marvel auf eine verschwenderische Fülle miteinander verflochtener Biographien treffen, die selbst bei flüchtiger Nacherzählung in einem „Cinematic Universe“ nicht zu verheizen sind, muss man die Zitrone DC schon mit superheldischem Kraftaufwand ausquetschen, damit noch so etwas wie ein Filmstoff heraustropft.
Seit der düstere Rächer vor 30 Jahren für das Mainstream-Kino wiederbelebt wurde, verdient DC am besten mit „Batman“ und seinen Angehörigen. Auch in Comic und Cartoon hat er frische Fahrt aufgenommen. Während kürzlich die Vorgeschichte seines Gegners „Joker“ sogar in Venedig ausgezeichnet wurde, ist dessen spätere Geliebte Harley Quinn schon mit ihrem eigenen Abenteuer „Bird Of Prey“ im Atelier – im Februar will sie damit rauskommen. „Gotham“, die Soloserie von Batmans Freund Polizistenfreund James Gordon, ist Anfang des Jahres nach fünf Staffeln beendet worden, und weil’s so schön war, bleiben die Macher gleich in der Gegend und nehmen sich nun Batmans Butler vor. Die in „Pennyworth“ nacherzählten Jugendjahre des alten Knaben liegen so weit zurück, dass die Serie nebenbei auch in dem Retro-Look schwelgen kann, der heutzutage so gut ankommt.
Ich wünsche mir als nächstes einen Film über den wahren Konstrukteur des Batmobils (mit einer kleinen Gimmick-Anleitung zum Nachbauen in jeder Folge), eine Serie über die Jugend von Batmans Vater Thomas Wayne (die mir verrät, wie man reich wird) und eine Sitcom mit dem gealterten Robin, der ein Seniorenheim für Cartoon-Sidekicks betreibt. … Hat Batman eigentlich Tagebuch geführt?

________
* Näheres dazu unter https://blog.montyarnold.de/2018/09/14/fast-ein-retortenmensch/

Dieser Beitrag wurde unter Comic, Fernsehen, Film, Internet, Marvel, Medienphilosophie abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.