Die Marvels wie sie wirklich waren: Captain America (1)

Diese Serie mit Artikeln zur Geschichte der Marvel Comics aus dem Silver Age ist eine Übernahme aus dem Fanmagazin „Das sagte Nuff“ (2005-10). Ich bedanke mich herzlich für die Genehmigung, sie hier leicht aktualisiert wiederzugeben. 

Captain America – The First Avenger
von  Daniel Wamsler
http://dassagtenuff.blogspot.com/ 

Sowohl der bsv als auch Williams veröffentlichten jeweils nur eine einzige Captain-America-Story. Hier die Eröffnungsseite aus „Tales Of Suspense“ # 85 zusammen mit dem Williams-Text aus „(Die tödlichen Hände des) Kung Fu“ Nr. 3

Seine Entstehungsgeschichte kennt heute jeder Halbstarke aus dem Film: Der hagere Armeeanwärter Steve Rogers fällt aufgrund seines schwächlichen Körperbaus bei der Musterung durch. Stattdessen muss der Untaugliche als Versuchskaninchen für ein Experiment herhalten, bei dem eine Armee von Supersoldaten geschaffen werden soll. Durch eine Injektion mutiert er zum muskulösen Superkämpfer Captain America. Ehe er weitere Kandidaten mit seinem Serum impfen kann, wird sein Erfinder von Feinden des Landes getötet und nimmt die Formel mit ins Grab. Im Alleingang verteidigt Captain America fortan sein Vaterland.
Seinen ursprünglich dreieckigen Schild musste Captain America nach der ersten Ausgabe wegen Ähnlichkeiten mit der Konkurrenz („Shield“, 1940) gegen einen runden eintauschen. Das Design von Schild und Anzug blieb seit „Captain America Comics“ # 2 vom April 1941 nahezu unverändert. In den 90er Jahren ersetzte man das „A“ auf Caps Stirn durch einen Adler. Später wurde seine Ausrüstung um einen Waffengürtel (Batman lässt grüßen) und eine Art Kettenhemd ergänzt.

Genie oder Wahnsinn? Nach Stan Lees Meinung „verschwendete“ Gene Colan drei ganze Seiten für eine Sequenz in der Captain America eine Straße entlangläuft. Dies zeigte den Helden von einer völlig anderen Seite, so dass sowohl der Autor / Herausgeber als auch die Leser überwältigt waren. Und Wolfgang J. Fuchs, der die dritte Seite in sein Standardwerk „Anatomie eines Massenmediums“ aufnahm und sich über die filmische Bildsprache freute. – Aus „Captain America“ # 116 vom Februar 1970.

Im Gegensatz zu den USA war Steve Rogers alias Captain America im Deutschland der sechziger und siebziger Jahre nicht besonders gern gesehen. Zweimal hatten die Verlage bsv und Williams versucht, die Solo-Abenteuer des US-Patrioten in den Hit Comics (Nr. 14, 16 und 18, alles FV-Ausgaben) und in der Taschenbuchreihe „Die tödlichen Hände des Kung-Fu“ (Nr. 3) unterzubringen. Offenbar blieb der gewünschte Erfolg aus und so mussten die Herausgeber bald einsehen, dass das Konzept des amerikanistischen Helden hierzulande nicht aufgehen wollte. Es hat schon fast den Anschein, als ob der Held sich zufällig in diese deutschen Ausgaben „verirrt“ hätte. Abgesehen von Captain Americas Auftritten bei den Rächern und als Gaststar in verschiedenen anderen Marvel- Serien, sollte es von ihm in Deutschland lange nichts zu lesen geben.

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