Im Westen nichts wirklich Neues

betr.: morgige erste Ausgabe der Sendung „Domian Live“

Ab morgen talkt Jürgen Domian wieder – allerdings ohne die nächtliche Intimität seines langjährigen auch im Radio laufenden Formates, das vor zweieinhalb Jahren zuendeging. Neu ist, dass sich der Moderator von den Themen überraschen lassen will und dass die Gäste auch von seinen Mitarbeitern im Hintergrund „nicht vorher recherchiert“ werden. Domian vertraut darauf, dass seine Gastfreundschaft nicht missbraucht werden wird. Kann das gutgehen? Das wird auch für wohlmeinende Zuschauer spannend sein. Eines will Domian beibehalten: das Gespräch mit „Menschen wie du und ich“, denn – so erklärte er im Vorfeld – so etwas gäbe es ja gar nicht im gegenwärtigen Programmangebot.

Er sagte es nicht ausdrücklich, ließ es aber so klingen, als wäre der Dialog mit Nicht-Prominenten ein von allen lange Zeit übersehener Mangel, der nun – zufällig ans Licht gekommen – endlich behoben gehörte. Dabei hat es ja durchaus jahrzehntelang – unbemerkt vom Nachtarbeiter Domian – eine Vielzahl nachmittäglicher Krawall-Talks gegeben, deren Kommunikationskultur auch ihm nicht gefallen haben würde. In diese Zeit fiel auch das letzte Talkformat von Alfred Biolek (ebenfalls WDR), in dem alle vierzehn Tage im Wechsel mit Stars und Politikern auch „unbekannte Menschen“ geladen waren, die allerdings sehr sorgfältig ausgewählt wurden. Heute gibt es im linearen Fernsehen so viele über sich selbst sprechende Normalos wie noch nie – etwa in Doku-Soaps und Quizsendungen. Ihre Zahl steigt proportional zur Abnahme der Zuschauer.
Wer wenn nicht Domian sollte es vollbringen, die Leute von nebenan wieder zu einer frischen Erfahrung zu machen?.

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