Die schönsten Filme, die ich kenne (98): „Der Tod steht ihr gut“

betr.: 74. Geburtstag von Goldie Hawn

Einer der Drehbuchautoren von „Death Becomes Her“ gab die überaus unbescheidene Losung aus, er habe sich gefragt, was dabei herausgekommen wäre, wenn Noël Coward „Die Nacht der lebenden Toten“ geschrieben hätte. Mehr als 25 Jahre nachdem das Ergebnis im Kino gelaufen ist, kann man David Koepp nur attestieren, dass er uns die Antwort gegeben hat und dass diese immer noch gültig ist. Sein Film ist keine Minute gealtert; es scheint so, als stünde er mit einer Hexe im Bunde, die ewige Jugend verkauft …

Madeleine Ashton tritt Ende der 70er Jahre in einem Broadway-Musical auf, was zu dieser Zeit kein gutes Zeichen ist. Um zu testen, wie ernst es ihm mit ihr ist, nimmt die unscheinbare Helen Sharp ihren Verlobten mit in die Vorstellung – sie hat schon mehrere Lover an Madeleine verloren. Auch diesmal geht die Sache schief, und der gefeierte Schönheitschirurg Ernest Manville heiratet Madeleine. 14 Jahre später ist er beruflich am Ende, ein Alkoholiker und der unglücklichste Ehemann von Beverly Hills.
Da taucht Helen wieder auf – schön wie nie, inzwischen eine erfolgreiche Autorin und wild entschlossen, sich Ernest zurückzuholen, um sich an Madeleine zu rächen.
Madeleine, an der die Jahre unerbittlich genagt haben, wird inzwischen von einem ihrer jungen Lover verhöhnt und nimmt das Angebot einer geheimnisvollen Schamanin wahr, ihr durch Verabreichung eines Tonikums ewige Jugend zu verschaffen. Als der Kampf zwischen „Mad“ und „Hel“ mit immer härteren Bandagen geführt wird, entdeckt sie die schreckliche Nebenwirkung dieses Zaubertranks …

„Der Tod steht ihr gut“ ist der Film zum demografiebedingt angesagten Thema Altwerden (an sich und in Hollywood). Dennoch ist er immer um einiges komischer als er grausam ist. Er gehört zu den zwei Filmen, die ich schon nach dem ersten Anschauen auswendig konnte: wenn ich ihn seither wiedersah, überraschte mich kein Satz, keine Wendung, keine Einstellung* – so zwingend ist er konzipiert und ausgeführt. Sowohl Goldie Hawn (die sich schöner selbst parodiert als es ein/e andere/r könnte) als auch Bruce Willis (der – ganz im Gegenteil – völlig gegen seinen Typ agiert und sich nebenbei sehr überzeugend in die Motorik eines älteren Mannes hineinspielt) liefern hier die fulminantesten Darbietungen ihrer Karrieren ab – Meryl Streep ist fabelhaft wie immer.
Kein anderer Film – nicht einmal „Hellzapoppin‘“ – vereint eine solche Fülle filmischer Zitate, Parodien, Archetypen und Topoi und ist dabei so aus einem Guss. Kein anderer – nicht einmal „Sunset Boulevard“ – stellt Hollywood ein so endgültiges Zeugnis aus. Keiner – nicht einmal „Singin‘ In The Rain“ – lässt solche Furien über die Filmmetropole hereinbrechen. Und nicht einmal „Szenen einer Ehe“ spricht so offen und unwiderlegbar über die Unvereinbarkeit männlicher und weiblicher Grundbedürfnisse.
Wer Robert De Niros Ankündigung, dank der Verjüngungstechniken von „The Irishman“ seien seiner Karriere 30 weitere Jahre geschenkt worden, allen Ernstes für eine gute Nachricht hält, der sollte sich unbedingt „Der Tod steht ihr gut“ ansehen.

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* Welches ist der andere? Siehe https://blog.montyarnold.de/2018/11/28/es-geschah-am-hellichten-tag/

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Eine Antwort auf Die schönsten Filme, die ich kenne (98): „Der Tod steht ihr gut“

  1. john sagt:

    Ich würde gerne eine Filmabend zu diesem Meisterstück anfragen. 🙂

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