Die schönsten Filme, die ich kenne (99): „Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse“

Bevor er – nicht mehr jung – Karriere machte und zum männlichen Kultstar des Mediums aufstieg, war Humphrey Bogart in einer Unzahl von Kriminalfilmen zu sehen, wo ihn bedeutendere Gangster um die Ecke brachten. Im Falle von „The Amazing Dr. Clitterhouse“ ist es Edward G. Robinson, der ihm das (zum dritten Mal) antut, ein Charakterdarsteller erster Güte, der hier sein Genre – den klassischen Gangsterfilm der 30er Jahre – am Ende der Dekade souverän parodiert, obwohl er selbst gegen seinen Typ besetzt ist.

Der New Yorker Prominentenarzt Dr. Clitterhouse (Robinson) nutzt seine guten Kontakte zur High Society, um dort Juwelendiebstähle zu begehen. Dabei interessiert ihn weniger die Beute als die eigenen körperlichen Reaktionen auf seine Raubzüge, die er säuberlich zu Forschungszwecken dokumentiert. Irgendwann würden seine Erkenntnisse dabei helfen, echte Gangster dingfest zu machen. Ein befreundeter Ermittler bringt Clitterhouse nichtsahnend auf die Idee, die heiße Ware – die dem Arzt zunehmend lästig ist – zu verscherbeln. Als er deshalb Kontakt zum besten Hehler der Stadt aufnimmt, steigt er unter dem Decknamen „Professor“ zum kriminellen Mastermind auf, das immer raffiniertere Raubzüge plant. Das ist nicht nur finanziell einträglich, es führt ihm nebenbei eine Vielzahl von bereitwilligen Forschungsobjekten zu.
Der Ganove Rocks Valentine (Bogart) sieht seinen Status in der Bande gefährdet und sinnt auf Rache. Er baldowert die Identität des Doktors aus und versucht, ihn zu erpressen. So kommt der wehrhafte Dr. Clitterhouse in die Verlegenheit, die berauschende Wirkung des größten Kapitalverbrechens zu erforschen …

Der Plot um den Akademiker, der moralisch vor die Hunde geht, nachdem er sich zunächst sehr sportlich mit Verbrechern anlegt, erinnert uns Heutige sogleich an „Breaking Bad“, und hier wie dort ertappe ich mich dabei, dass ich dem Helden bis zuletzt die Treue halte.
„Das Doppelleben des Dr. Clitterhouse“ basiert auf einer Komödie von Barré Lyndon, die erfolgreich in London und immerhin drei Monate am Broadway lief, ehe sie von Anatole Litvak in ewige Sicherheit gebracht wurde. Das Drehbuch stammt von John Huston, der die derberen Späße am Set auslebte (der Titel wurde dort zu „Dr. Klitoris“) und die feineren in den Film einbringt, etwa wenn er der Bande „Hudson River String Quartet“ auf die Bürotür schreibt, eine Anspielung sowohl auf die Lage eines berühmten Zuchthauses als auch auf die Geigenkästen, die anständige Gangster zum diskreten Transport ihrer Schusswaffen benutzen.
Seine nach 80 Jahren ungebrochene Frische bezieht der Film außerdem aus dem Bruch mit einer Reihe von Konventionen (das für den Protagonisten bitter ironische Ende oder der weibliche, sehr einnehmend gezeichnete Gangsterboss …).

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